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title: "ARGUS V4.0.0 — Vollständiges Protokoll"
lang: de
subtitle: "Analytische Rigorosität, Geleitet durch ein Universelles und Systematisches Protokoll"
footer: "ARGUS ist ein freies und offenes Protokoll, entworfen von <strong>François Vadrot</strong>."
description: "Vollständiges ARGUS V4.0.0 Protokoll"
page_slug: "protokoll.html"
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**ARGUS V4.0.0 — Vollständiges Protokoll**

*Analytische Rigorosität, Geleitet durch ein Universelles und Systematisches Protokoll*

### Funktion des Protokolls

*Dieser Abschnitt und der folgende richten sich an den Nutzer. Die Methodenprinzipien, ab dem Grundprinzip, richten sich an die KI, die das Protokoll ausführt.*

ARGUS ist ein Hilfsmittel und ein Lernwerkzeug. Beide Funktionen lassen sich nicht trennen.

Als Hilfsmittel liefert es ein Raster und eine Reihenfolge, die verhindern, dass ein Arbeitsschritt vergessen wird, und es macht die Analyse mitteilbar: Ein Dritter kann prüfen, welche Schritte befolgt und welche ausgelassen wurden.

Als Lernwerkzeug zielt es auf seine eigene teilweise Abschaltung. Wer ein Dutzend vollständiger Analysen durchgeführt hat, erkennt einen Eröffnungsrahmen, ein immunisierendes Zugeständnis oder eine Zirkularität der Quellen, ohne die acht Schritte durchlaufen zu müssen. Das Protokoll hat dann seine Funktion erfüllt. Ein Protokoll kritischer Analyse, dessen anhaltender Gebrauch seinen Nutzer nicht selbständiger macht, hätte sein Ziel verfehlt.

**Der Blinddurchgang.** Daraus folgt eine empfohlene Praxis. Bevor der Nutzer einen Text der KI vorlegt, beantwortet er selbst, in wenigen Zeilen und ohne Hilfe, drei Fragen: Welche Voraussetzungen setzt die Eröffnung (Schritt 1), was fehlt (3.E), und wendet der Text auf sich selbst an, was er von anderen verlangt (3.H). Anschließend vergleicht er seine drei Antworten mit denen der erstellten Analyse.

Die Abweichungen sind der Ort, an dem gelernt wird. Wer die Analyse der KI unmittelbar liest, erhält ein Ergebnis; wer zuvor selbst geantwortet hat, erwirbt eine Fähigkeit. Der Blinddurchgang kostet zehn Minuten und ist der einzige Teil des Protokolls, der sich nicht delegieren lässt.

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### Zuverlässigkeit der Analyse und Widerspruchsverfahren

Die KI kann Analysen erstellen, die streng erscheinen, aber Auslassungen, Widersprüche oder Protokollverstöße enthalten. Es wird empfohlen, ihre Schlussfolgerungen nicht für bare Münze zu nehmen und selbst die wesentlichen Punkte zu überprüfen (Einhaltung der Schritte, Vorhandensein der obligatorischen Abschnitte, Kohärenz des Urteils). Die KI ist kein unfehlbarer Richter, sondern ein Hilfsmittel.

Eine ARGUS-Analyse ist kein Messergebnis. Zwei verschiedene KI, und mitunter dieselbe KI zweimal, erstellen Analysen, die im Detail voneinander abweichen. Diese Abweichung ist kein Mangel, der durch Mittelwertbildung zu beheben wäre. Sie ist eine Information: Die Punkte, in denen zwei unabhängige Analysen übereinstimmen, sind belastbar; jene, in denen sie auseinandergehen, sind genau diejenigen, die das Urteil des Nutzers verlangen.

Drei Stufen des Widerspruchsverfahrens sind möglich, mit steigendem Aufwand. Keine ist verpflichtend.

**Stufe 1, kurze Gegenprobe.** Standardempfehlung. Bitte dieselbe KI in einem neuen Gespräch, ohne ihr die erste Analyse vorzulegen, nur die Schritte 1, 3.E, 3.H und 7.a desselben Textes zu bearbeiten. Vergleiche die vier Ergebnisse selbst. Diese Stufe erfasst den Großteil der Streuung zum Preis weniger Minuten.

**Stufe 2, Kreuzaudit.** Empfohlen für ernsthafte kritische Verwendung oder für eine zur Veröffentlichung bestimmte Analyse. Sie verläuft in zwei Schritten.

Erstens: Eine zweite KI erstellt eine vollständige Analyse desselben Textes, blind, das heißt ohne die erste Analyse und ohne irgendein Element des Entstehungskontexts. Die Blindheit ist die Bedingung der Unabhängigkeit: Eine zweite KI, der man die erste zeigt, erstellt eine Überarbeitung, kein Audit.

Zweitens: Die zweite Analyse wird der ersten KI vorgelegt, mit der Bitte um ein Differenzial und nicht um einen Kommentar, in folgender Form:

- Übereinstimmungspunkte, Schritt für Schritt, jeweils in einer Zeile;
- Abweichungspunkte, Schritt für Schritt, mit der Position jeder der beiden Analysen;
- für jede Abweichung die Art der Uneinigkeit: Tatsache, Qualifizierung, Schweregrad oder Deutung;
- ein systematisch zu kennzeichnender Sonderfall: Abweichungen, bei denen die eine Analyse schließt und die andere unzureichende Elemente erklärt (vgl. Schritt 7). Sie zeigen genau die Stelle, an der eine der beiden über das hinausgegangen ist, was der Text zu behaupten erlaubt;
- für jede Abweichung, was sie entscheiden würde und zu welchem Aufwand.

Der Nutzer liest dann ein einziges Dokument, das Differenzial, und nicht zwei vollständige Analysen. Erst das macht Stufe 2 praktikabel.

**Zuweisungsregel.** Eine KI, der man eine konkurrierende Analyse vorlegt, neigt dazu, die eigene zu verteidigen. Um diese Verzerrung einzudämmen, muss die Anweisung folgende Regel vorschreiben: im Sachlichen nachgeben (fehlendes Gegenargument, nicht untermauerte Behauptung, Zuschreibungsmangel, Verallgemeinerung aus einem Einzelfall, Rechenfehler) und nur jene Falschbefunde bestreiten, die aus Unkenntnis des Publikationskontexts hervorgehen. Die Beweislast trägt diejenige der beiden Analysen, die eine bestrittene Feststellung aufrechterhalten will.

**Stufe 3, dokumentierte menschliche Entscheidung.** Für veröffentlichte Analysen. Der Nutzer entscheidet jede Abweichung, hält seine Entscheidung und deren Begründung fest und veröffentlicht diese zusammen mit der Analyse. Nur auf dieser Stufe entsteht eine Analyse, deren Konstruktion ein Dritter prüfen kann, statt bloß deren Schlussfolgerungen zu lesen.

**Anmerkung zur Praxis.** Stufe 1 ist diejenige, die tatsächlich angewandt werden wird, und die einem neuen Nutzer zuerst zu empfehlen ist. Die Stufen 2 und 3 setzen einen Einsatz voraus, der ihren Aufwand rechtfertigt, und ihre Erwähnung soll sie nicht zur Norm machen. Eine ohne Widerspruchsverfahren durchgeführte Analyse bleibt eine gültige Analyse, sofern ihr Verfasser sie nicht als mehr ausgibt, als sie ist.

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### Grundprinzip

Die Eröffnung eines Textes (Titel, erste Sätze, erster Absatz, einleitende Anekdote, Ausgangsfrage) ist niemals neutral: Sie setzt einen Rahmen, grenzt ein, was gedacht oder gesagt werden kann, und positioniert den Autor als Autorität. Du wirst diese kritische Prüfung vorrangig vornehmen, noch bevor du in die Argumentation einsteigst. Der anfängliche Rahmen bestimmt oft alles Weitere.

**Kurzversion**: Wenn der Nutzer eine schnellere oder weniger detaillierte Analyse wünscht, kann das ARGUS Light-Protokoll (Anhang 1) verwendet werden. Wende in diesem Fall die 11 Schritte des Anhangs anstelle der vollständigen Schritte an. Teile dem Nutzer mit, dass die Analyse weniger tiefgehend ist und dass die erweiterten Schritte (0.d, 0.e, 0.f, 3.I, 3.J, 3.K, 7.c) sowie die Anhänge 2 und 3 nicht angewendet werden. Aus Anhang 4 werden in der Kurzversion nur die Tests A und G beibehalten.

**Erweiterte Analyse**: Anhang 2 (Analyse leerer Signifikanten) wird entweder auf Wunsch des Nutzers aktiviert oder über den Kontrollpunkt am Ende von Schritt 2, der die objektive Bedingung dafür festlegt. Entscheide nicht über die Aktivierung, bevor die zentrale These rekonstruiert ist: Die Bedingung betrifft die Begriffe dieser These.

**Arithmetische Kontrolle**: Wenn der Text Zahlen, Raten, Anteile, Zählungen oder Projektionen enthält, von denen die These abhängt, aktiviere Anhang 4 (Arithmetische und statistische Kontrolle). Dieser Anhang erkennt eine Mängelklasse, die das Basisprotokoll nicht sieht: die unmögliche Zahl, korrekt einer identifizierbaren Quelle zugeschrieben.

**Korpusanalyse**: Wenn der Nutzer mehrere zusammenhängende Texte einreicht, wende das Basisprotokoll auf jeden Text einzeln an und aktiviere dann Anhang 3 (ARGUS-Corpus) für die textübergreifende Konsistenzprüfung und eine eventuelle Synthese.

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### Prinzip der rhetorischen Adressierung

Kein argumentativer Text sollte unabhängig von dem Publikum bewertet werden, an das er sich richtet. Effektive Propaganda sieht nicht unbedingt aus wie plumpe Propaganda: Sie übernimmt die Glaubwürdigkeitscodes, die ihr Zielpublikum erwartet. Für ein populäres Publikum kann sie Vereinfachung, Slogans oder direkte Emotion bevorzugen. Für ein kultiviertes, institutionelles oder fachkundiges Publikum kann sie die Form einer mit Quellen belegten, nuancierten, vorsichtigen und scheinbar ausgewogenen Analyse annehmen.

Der Analytiker muss daher die **formale Präsenz von Nuancen** von ihrer **tatsächlichen Funktion in der Argumentation** unterscheiden. Eine Nuance kann die Interpretation wirklich öffnen; sie kann auch dazu dienen, eine bereits feststehende Schlussfolgerung akzeptabler zu machen.

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### Prinzip der Verhältnismäßigkeit

Die Länge und der Detaillierungsgrad jedes Schrittes sind an die faktische und argumentative Dichte des analysierten Textes anzupassen, nicht an ein Standardformat. Ein kurzer, datenarmer Text soll eine verhältnismäßig kurze Analyse erhalten; ein langer, quellenreicher Text soll eine ausführlichere Behandlung erhalten. Die formale Einhaltung aller Schritte darf nicht zu einer künstlichen Verlängerung führen, die die Lesbarkeit beeinträchtigt, insbesondere in der Light-Version.

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### Schritt 0 — Vorläufiger Relevanztest des Protokolls

**Vorherige Erklärung des Gegenstands.** Nenne zuallererst in einer Zeile den genauen analysierten Gegenstand, mit dem, was das Dokument über sich selbst sagt: Medium, Datum und Hinweis auf eine andere Fassung desselben Textes, sofern das Dokument eine solche angibt. Diese Zeile steht am Kopf der Analyse. Jede externe Überprüfung bezieht sich auf diesen Gegenstand.

#### 0.a – Bestimmung der argumentativen Relevanz

Bevor du das ARGUS-Protokoll anwendest, stelle fest, ob der vorgelegte Text tatsächlich ein argumentativer Text ist.

Ein Text gilt als vollständig relevant für ARGUS, wenn er mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt: Er vertritt eine explizite oder implizite These; er versucht zu überzeugen, zu lenken, zu mobilisieren, zu disqualifizieren oder zu legitimieren; er ordnet Fakten oder Beispiele im Dienst einer Schlussfolgerung an; er enthält eine identifizierbare Rahmung; er erzeugt eine strategische Wirkung auf einen Leser oder ein Publikum.

Wenn der Text überwiegend literarisch, poetisch, narrativ, beschreibend, dokumentarisch, technisch, juristisch, fragmentarisch ist oder aus Rohdaten besteht, wende ARGUS nicht automatisch an. Prüfe zunächst, ob eine echte argumentative Dimension vorhanden ist. Ein Gedicht, eine Erzählung oder ein literarisches Werk kann ideologische oder rhetorische Gehalte aufweisen, sollte aber nicht standardmäßig wie ein Kommentar oder Essay behandelt werden.

Erstelle nach diesem Test eine kurze Relevanzbewertung:

- **Starke Relevanz**: Der Text ist eindeutig argumentativ. Das Protokoll kann vollständig angewendet werden.
- **Teilweise Relevanz**: Der Text hat eine argumentative Dimension, aber das Protokoll muss angepasst oder auf bestimmte Passagen beschränkt werden. Zeige dem Nutzer, welche Teile des Textes sich am besten für die argumentative Analyse eignen.
- **Geringe oder keine Relevanz**: Der Text fällt nicht in den normalen Anwendungsbereich von ARGUS. Schlage stattdessen eine andere Analyseart vor: literarisch, stilistisch, narratologisch, historisch, rhetorisch, dokumentarisch oder kontextuell.

Wenn die Relevanz teilweise, gering oder unklar ist, brich nach dieser Bewertung ab und bitte den Nutzer um Bestätigung, bevor du fortfährst. Wende ARGUS nicht mechanisch auf einen Text an, dessen Natur nicht dafür geeignet ist.

#### 0.a bis – Zusammengesetzte Texte

Die Relevanz kann aus zwei verschiedenen Gründen teilweise sein, die nicht dieselbe Behandlung verlangen.

- **Teilweise dem Grade nach**: Der Text ist insgesamt schwach argumentativ. Wende das Verfahren aus 0.a an: Halte inne und bitte um Bestätigung.
- **Teilweise der Zusammensetzung nach**: Der Text ist in einigen Teilen vollständig argumentativ und in anderen didaktisch, technisch, dokumentarisch oder erzählend. Das ist bei den meisten realen Gegenständen der Fall: ein Bericht mit einer These und einem Datenanhang, eine Pressemappe aus Leitartikel und Reportage, ein Buch, in dem ein Kapitel argumentiert und mehrere unterrichten.

Der Umfang ist eine Entscheidung, keine Feststellung. Einen langen Text als ein einziges argumentatives Ganzes zu behandeln, ist ebenso eine Entscheidung wie der Ausschluss eines Abschnitts. Beide sind zu begründen, in je einer Zeile. Der Vermerk „kein Abschnitt ausgeschlossen" ist nur zulässig, wenn er von seiner Begründung begleitet wird. Keine Umfangsentscheidung wird stillschweigend oder als Voreinstellung getroffen.

Im Fall teilweiser Relevanz der Zusammensetzung nach wende folgendes Verfahren an.

1. **Den Umfang erklären**: namentliche Liste der unter ARGUS behandelten und der ausgeschlossenen Abschnitte.
2. **Das Regime der ausgeschlossenen Abschnitte erklären**: technische Richtigkeit, interne Kohärenz, didaktische Gültigkeit, dokumentarische Richtigkeit. Dieses Regime ist nicht ARGUS. Es muss benannt werden, damit der Leser weiß, dass kein Teil stillschweigend fallen gelassen wurde.
3. **Die Übertragung von Urteilen zwischen Regimen untersagen**: Ein in einem Abschnitt außerhalb des Umfangs festgestellter Mangel ist für sich genommen kein argumentativer Mangel der These. Er wird es erst über den Test 3.H, und nur dann, wenn der Text selbst die Norm vorschreibt, gegen die er verstößt.

Die dritte Regel verhindert, dass die These eines Textes mit Mängeln belastet wird, die in seinen nicht argumentativen Teilen gefunden wurden.

#### 0.b – Klassifikation der Textgattung und des Lektürevertrags

Bestimme die vorherrschende Gattung des Textes aus den folgenden Kategorien und passe die Beweisanforderungen entsprechend an:

- **Leitartikel / Kommentar**: Ausdruck einer Meinung, persuasive Absicht. Die Anforderungen an faktische Belege sind gering; die Analyse wird sich vor allem auf Logik, Kohärenz und Rhetorik konzentrieren.
- **Reportage / Presseartikel**: Fakteninformation, Recherche, Zeugnisse. Zentrale Fakten (Daten, Orte, Zahlen, Zitate) müssen belegt oder zugeschrieben sein. Verallgemeinerungen werden toleriert, wenn sie angemessen bleiben.
- **Essay / prospektive Analyse**: Erkundung einer These, oft ohne Anspruch auf erschöpfende Beweisführung. Starke Zukunftsbehauptungen müssen von einem plausiblen kausalen Mechanismus begleitet werden.
- **Wissenschaftlicher / technischer Artikel**: Maximale Anforderung an Beweise, Daten und reproduzierbare Methoden.
- **Plädoyer / Manifest**: ausdrückliche Verteidigung einer Sache, eingeräumte Voreingenommenheit. Die Analyse konzentriert sich auf die Kohärenz der Argumentation und die Transparenz des Standpunkts.
- **Militanter Lagertext**: Mobilisierung eines bereits nahestehenden Publikums, oft mit kämpferischem Vokabular. Die Analyse konzentriert sich auf den Grad der interpretativen Schließung.
- **Propaganda**: Text, der darauf abzielt, die autonome Prüfung des Lesers durch systematische Auswahl von Fakten, Neutralisierung von Gegenrede und asymmetrische Behandlung von Akteuren zu verhindern. Die Analyse muss zwischen plakativer und sophistizierter Propaganda unterscheiden.
- **Sonstiges** (angeben).

#### 0.c – Festlegung des Beweismaßstabs

Formuliere vor der kritischen Prüfung einen expliziten Satz, der angibt, was du für diesen Text angesichts seiner Gattung als ausreichende interne Untermauerung ansiehst. Beispiel:

> „Für diesen Text (Kommentar) betrachte ich als ausreichende interne Untermauerung: ein direktes Zitat, einen Verweis auf eine identifizierbare Autorität, zugeschriebene Zahlenangaben oder eine argumentierte interne Kohärenz. Nicht zugeschriebene Behauptungen werden als nicht untermauert gekennzeichnet."

**Performativer Vertrag**: Wenn der Text selbst eine Norm der Strenge, der Quellenangabe, der Methode oder der Transparenz vorschreibt, tritt diese Norm in seinen Lektürevertrag ein und wird auf ihn angewandt, zusätzlich zur Gattungsnorm. Erkläre sie ausdrücklich im Anschluss an die Beweisnorm. Diese Klausel betrifft insbesondere Handbücher, Protokolle, Ethikkodizes, Redaktionsleitlinien, Methodenaufsätze und Verhaltenskodizes. Ein Text, der seinen Leser lehrt, Quellen zu verlangen, wird an dem gemessen, was er verlangt, und nicht nur an dem, was seine Gattung zulässt.

Diese Erklärungen werden zu Beginn von Schritt 3 wiederholt.

#### 0.d – Quellen-Audit

Erstelle einen Audit der im Text zitierten oder erwähnten Quellen. Präsentiere ihn als Aufzählung, nicht als Tabelle.

Gib für jede Quelle an:

- **Quelle A**: Name, Funktion, institutionelle Zugehörigkeit, Land, erklärte Position zum Thema, eventuelle Finanzierung oder Verbindungen zu Interessengruppen.
- **Quelle B**: dasselbe.

Wenn die Information nicht im Text verfügbar ist, ist eine begrenzte externe Überprüfung erlaubt (siehe Regel 13), mit Quellenangabe und ausdrücklichem Hinweis.

Beantworte dann die folgenden Fragen:

1. **Wie vielfältig sind die Quellen?** (westlich, östlich, neutral, regierungsnah, oppositionell usw.)
2. **Gibt es Quellen, die eine der These des Textes entgegengesetzte Sichtweise vertreten?** Wenn nicht, kennzeichnet der Text dies als Einschränkung?
3. **Sind die Quellen ausreichend qualifiziert, damit der Leser ihre Zuverlässigkeit beurteilen kann?** (Biografie, Interessen, Verzerrungen)
4. **Zieht der Text allgemeine Schlussfolgerungen aus einer begrenzten oder parteiischen Quellenauswahl?**

#### 0.e – Produktionskontext des Textes

Recherchiere und nenne die folgenden Elemente:

1. **Wer veröffentlicht den Text?** (Zeitung, Medium, Institution)
2. **Was ist das Geschäftsmodell dieses Mediums?** (Abonnements, Werbung, Eigentümerschaft, Subventionen)
3. **Gibt es bekannte Verbindungen zwischen diesem Medium und Interessengruppen des Themas?** (Regierungen, Parteien, Unternehmen, NGOs)
4. **Werden diese Informationen im Text erwähnt?** Wenn nicht, ist dies ein Mangel an Transparenz, der vermerkt werden muss.

Wenn die Information nicht im Text verfügbar ist, ist eine begrenzte externe Überprüfung erlaubt (siehe Regel 13), mit Quellenangabe und ausdrücklichem Hinweis.

#### 0.f – Zielpublikum, reales Publikum und Glaubwürdigkeitsvertrag

Vor der Analyse des Eröffnungsrahmens identifiziere das oder die Publika, an die sich der Text zu richten scheint.

Unterscheide so weit wie möglich:

- **Angegebenes Publikum**: das Publikum, das der Text explizit ansprechen will.
- **Wahrscheinliches reales Publikum**: das tatsächlich anvisierte Publikum angesichts des Mediums, des Trägers, des Sprachregisters, der kulturellen Referenzen, des Technizitätsgrads, der Rubrik, der Verbreitungsweise und des Publikationskontexts.
- **Strategisches Publikum**: das Publikum, das der Text hauptsächlich überzeugen, stärken, mobilisieren, beruhigen oder gegen Einwände immunisieren will.
- **Kontrastpublikum**: das Publikum oder das Lager, das der Text nicht überzeugen, sondern disqualifizieren, lächerlich machen oder aus dem Bereich des Sagbaren ausschließen will.

Beantworte dann die folgenden Fragen:

- **Welche Glaubwürdigkeitscodes erwartet dieses Publikum?**
  Beispiele: Expertise, Zitate, Zahlen, historische Referenzen, scheinbare Mäßigung, Ironie, moralische Empörung, direktes Zeugnis, Einfachheit, Komplexität, Technizität, Neutralität des Tons.

- **Welche Zeichen würden den Text in den Augen dieses Publikums als wenig glaubwürdig oder zu propagandistisch erscheinen lassen?**
  Beispiele: völliges Fehlen von Gegenrede, übertriebenes Pathos, zu sichtbare Vereinfachung, Slogans, militantes Vokabular, zu homogene Quellen, zu direkte Anschuldigung.

- **Führt der Text Nuancen, Einwände oder Zugeständnisse ein?**
  Wenn ja, öffnen diese Elemente wirklich die Möglichkeit einer anderen Schlussfolgerung, oder dienen sie hauptsächlich dazu, den Text vor dem Vorwurf der Parteilichkeit zu schützen?

- **Welche Einwände würde das Zielpublikum am ehesten formulieren?**
  Stellt sich der Text ihnen wirklich, neutralisiert er sie oder vermeidet er sie?

- **Ist der Text darauf kalibriert, bei diesem spezifischen Publikum einen Seriositätseffekt zu erzeugen?**
  Wenn ja, welche Verfahren erfüllen diese Funktion?

Die in diesem Schritt vorgenommene Qualifizierung des Zielpublikums und seiner erwarteten Glaubwürdigkeitscodes ist eine Arbeitshypothese, keine Schlussfolgerung. Am Ende von Schritt 3 muss der Analytiker ausdrücklich auf diese Hypothese zurückkommen und antworten: *„Bestätigt, nuanciert oder widerlegt die eingehende kritische Prüfung die in 0.f vorgenommene Qualifizierung des Publikums und seiner Erwartungen?"* Wenn die Prüfung in Schritt 3 kein Element liefert, das geeignet ist, die ursprüngliche Qualifizierung zu verändern, muss der Analytiker dies ausdrücklich als mögliche Einschränkung und nicht als automatische Bestätigung kennzeichnen.

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### Schritt 1 — Analyse des Eröffnungsrahmens

Isoliere den Eröffnungsabschnitt des Textes. Beantworte für jedes bedeutsame Element dieses Abschnitts systematisch:

1. **Unbewiesene Voraussetzungen.** Was setzt der Text als bereits gegeben, offensichtlich, geteilt voraus, ohne es jemals zu prüfen?

2. **Präventive Disqualifikationen.** Schließt der Text von vornherein eine Gegenposition aus? Wird diese Position tatsächlich von jemandem Identifizierbaren vertreten, oder handelt es sich um eine Konstruktion des Autors, die leicht widerlegt werden soll (Strohmann)? Eine Gegenposition ist nur dann ein Strohmann, wenn der Autor bewusst die besten Argumente dieser Position unterschlägt und nur deren schwächste oder marginalste Version wiedergibt (Verstoß gegen das Prinzip der wohlwollenden Interpretation).

3. **Umfang des Sagbaren.** Welche Fragen macht dieser Rahmen möglich? Welche macht er undenkbar, trivial oder moralisch verdächtig?

4. **Autoritätsmarker.** Beruft sich der Text auf eine vage, aber als unbestreitbar dargestellte Instanz („der theoretische Punkt", „die Geschichte", „die Wissenschaft", „jeder weiß, dass", „jeder Informierte"), um die Debatte zu schließen, bevor sie eröffnet wurde?

5. **Implizite Positionierung des Autors.** Stellt er sich als jemand dar, der einen Fehler korrigiert, eine verborgene Wahrheit enthüllt, im Namen einer Gemeinschaft informierter Leser spricht, sagt, was niemand zu sagen wagt?

6. **Angekündigtes Programm.** Legt sich der Text ein explizites Programm auf (was er zu tun verspricht, was er zu unterlassen erklärt)?

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### Schritt 2 — Neutrale Rekonstruktion der Argumentation

Rekonstruiere die zentrale These und den Argumentationsgang ohne Bewertung, getreu. Du musst antworten können: *Was will der Autor, dass ich glaube, und durch welche Verkettung will er mich dorthin führen?*

**Kontrollpunkt, Aktivierung von Anhang 2.** Die Entscheidung über die Aktivierung von Anhang 2 fällt hier und nicht in Schritt 0: Sie setzt voraus, dass die zentrale These rekonstruiert ist. Nimm die entscheidenden Begriffe der soeben formulierten These, jene, deren Streichung sie unverständlich machen würde, und wende zwei Tests an.

- **Definitionstest**: Liefert der Text für diesen Begriff eine Definition, ein Anwendungskriterium oder eine Aufzählung dessen, was er umfasst? Feststellung von Vorhandensein oder Fehlen, ohne Beurteilung der Qualität der Definition.
- **Grenztest**: Benenne zwei mögliche Abgrenzungen des Begriffs, eine enge und eine weite, beide vereinbar mit dem Gebrauch, den der Text von ihm macht. Formuliere die Schlussfolgerung unter jeder von beiden neu. Hält die Schlussfolgerung unter der weiten Abgrenzung und fällt sie unter der engen, so trägt die Grenze des Begriffs die Argumentation, und der Test ist positiv. Hält sie unter beiden, ist der Begriff vage, ohne strategisch zu sein, und der Test ist negativ. Es ist der Substitutionstest aus Schritt 7.a, angewandt auf den Umfang eines Begriffs statt auf ein Beweisstück: Statt ein Stück zu entfernen, engt man ein Wort ein.

Beispiel für einen positiven Test: Ein Text behauptet, Bildung und Medien erfüllten eine Propagandafunktion, ohne „Propaganda" zu definieren. Enge Abgrenzung: die strukturelle Wirkung von Eigentum und Finanzierung auf die Nachrichtenproduktion eines kommerziellen Mediums. Weite Abgrenzung: jede Institution, die Zustimmung sucht, Werbung und Unterhaltung eingeschlossen. Unter der zweiten hält die Schlussfolgerung, aber das Wort benennt keinen Mechanismus mehr. Unter der ersten benennt das Wort einen Mechanismus, aber die Schlussfolgerung umfasst die Bildung nicht mehr. Die Argumentation braucht beide Abgrenzungen zugleich, was keine allein liefert. Test positiv.

Beispiel für einen negativen Test: Derselbe Text verwendet „Trugschluss" ohne ausführliche Definition. Ob man den Begriff weit oder eng fasst, keine Schlussfolgerung des Textes ändert sich. Vager, nicht strategischer Begriff. Test negativ.

Sind beide Tests für mindestens einen entscheidenden Begriff positiv, aktiviere Anhang 2. Ist nur der Definitionstest positiv, vermerke es in einer Zeile und aktiviere den Anhang nicht: Die meisten argumentativen Texte verwenden abstrakte Begriffe, ohne sie zu definieren, und der Anhang ist nur gerechtfertigt, wenn die Grenze des Begriffs die Schlussfolgerung trägt.

Halte die Entscheidung in der Analyse fest, auch wenn sie negativ ausfällt, unter Nennung des geprüften Begriffs und des fehlgeschlagenen Tests. Eine unbegründete Nichtaktivierung ist ein Verstoß, ebenso wie ein nicht erklärtes Fehlen externer Überprüfung (Regel 13).

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### Schritt 3 — Systematische kritische Prüfung des Argumentationskörpers

Nimm jedes Glied der Argumentation auf und unterziehe es den folgenden Tests. Beginne mit der Wiederholung des in 0.c festgelegten Beweismaßstabs.

#### A. Logische Gültigkeit

- Folgen die Schlussfolgerungen aus den Prämissen?
- Gibt es ungerechtfertigte Folgerungssprünge, Bedeutungsverschiebungen?
- Werden Kausalketten nachgewiesen oder lediglich postuliert?

#### B. Empirische Stichhaltigkeit

*Rahmen*: Die Analyse stützt sich zunächst auf die textinternen Elemente. Die externe Überprüfung ist deswegen jedoch nicht fakultativ.

**Externe Mindestüberprüfung.** Wenn ein Element für die Beweisführung entscheidend ist und eine einfache Kontrolle es feststellen könnte, muss diese Kontrolle versucht werden. Betroffen sind insbesondere:

- die Zuschreibung eines entscheidenden Zitats (Autor, Werk, Datum);
- Identität, Art oder Stellung einer benannten Quelle (Institution, Einrichtung, Amt);
- Existenz, genaue Bezeichnung oder Art einer als Belastungsstück angeführten Einrichtung;
- ein einzelner Sachverhalt, von dem eine Schlussfolgerung abhängt und den eine einzige Recherche zu klären genügt.

Drei Bedingungen begleiten jede externe Überprüfung:

- ausdrücklich mitzuteilen, dass man den strengen Rahmen des Textes verlässt;
- die externe Quelle zu zitieren (öffentliches Dokument, Studie, widersprechende Aussage usw.);
- sicherzustellen, dass sich die Überprüfung auf den am Kopf der Analyse erklärten Gegenstand bezieht und nicht auf eine andere Fassung oder Ausgabe desselben Textes;
- anzuerkennen, dass der Originaltext diese Information nicht enthielt.

**Symmetrie der Überprüfung.** Die Überprüfungen betreffen nicht nur die Behauptungen, die der Analytiker verdächtigt. Wird ein dem Text ungünstiges Zitat kontrolliert, muss auch ein Zitat kontrolliert werden, das ihm zugutekommt. Ein gut geformter, mit Seitenangabe versehener und untadelig wirkender Beleg ist die erste Stelle, an der der Analytiker seinen Anspruch senkt; und die Anerkennung, die einer Quelle allein wegen der Form ihres Belegs zuteilwird, fällt unter die in Schritt 8 (d) behandelte Deferenz.

**Ergebnislosigkeit.** Eine erfolglose Recherche ist als solche zu berichten. Das Ausbleiben eines Ergebnisses belegt nicht die Falschheit der Behauptung, und die Analyse muss beides unterscheiden.

**Erklärungspflicht.** Jede Analyse gibt die Zahl der durchgeführten externen Überprüfungen an und zu welchen Elementen. Ist diese Zahl null, muss die Analyse dies erklären und begründen. Keine Analyse kann sich dieser Erklärung entziehen, und das Fehlen von Überprüfung ist kein stillschweigendes Standardregime.

**Verhältnismäßigkeit.** Die externe Überprüfung bleibt begrenzt: Sie betrifft die entscheidenden Elemente, nicht die Gesamtheit der Behauptungen des Textes, und sie ersetzt die interne Prüfung nicht. Jenseits von etwa zehn Kontrollen ändert die Übung ihre Natur und wird zur Faktenprüfung, was nicht Gegenstand von ARGUS ist. Weise darauf hin und kehre zur internen Analyse zurück.

Diese Überprüfung zielt nicht darauf ab, den Text zu „verurteilen", sondern zu bewerten, ob die nicht untermauerte Behauptung anderweitig als wahr, falsch oder ungewiss bekannt ist. Die Analyse muss klar zwischen interner Prüfung und externer Überprüfung unterscheiden.

Wenn ein für die These zentraler Sachverhalt dem in 0.c festgelegten Beweismaßstab nicht genügt, muss er als nicht belegt eingestuft werden. Es ist unzulässig, den Beweismaßstab im Laufe der Analyse aufzuweichen, um die Kohärenz des Textes zu retten.

In diesem Rahmen:
- Werden Tatsachenbehauptungen im Text untermauert oder lediglich ohne Beweis aufgestellt?
- Sind die Ereignisse im Text präzise datiert, oder ist die Chronologie vage, verkürzt oder sogar widersprüchlich?
- Wenn eine Typologie oder Hierarchie zwischen Phänomenen aufgestellt wird, wird jeder Begriff im Text genau und vollständig beschrieben? Werden Fakten oder Vermittlungen, die der Text selbst an anderer Stelle erwähnt, anschließend im Dienst der These weggelassen oder verzerrt?
- Für jedes entscheidende Zitat: Sind Werk, Datum und Seite angegeben? Ist der Äußerungskontext derjenige, den der analysierte Text ihm zuschreibt? Ein Zitat ist **rekontextualisiert**, wenn es echt ist, aber auf eine Szene verschoben wurde, an die es sich nicht richtete. Dieser Mangel widersteht der wörtlichen Überprüfung, da die Worte genau sind, und lässt sich nur durch Rückgang auf die Quelle feststellen.
- Wenn der Text Zahlen enthält, die die These tragen, aktiviere Anhang 4 und gib seine Feststellungen in einem eigenen Unterabschnitt von 3.B wieder, überschrieben „Arithmetische und statistische Kontrolle (Anhang 4)".

#### C. Gebrauch symbolisch aufgeladener Begriffe

- Identifiziere Wörter, die allein ein massives emotionales, kulturelles oder historisches Register aufrufen (Brot, Blut, Land, das Volk, Vaterland, Freiheit usw.).
- Frage dich, ob diese Wörter eine Beweisführung durch eine Beschwörung ersetzen und ob ihre affektive Kraft das Argument gegen Widerspruch immunisiert.
- Beschreiben diese Begriffe die Wirklichkeit angemessen, oder sind sie unangemessen, während sie rhetorisch mächtig sind? Zu wem sprechen sie wirklich?

#### D. Gebrauch von Begriffen mit Universalitätsanspruch

- Wenn der Text „die menschliche Spezies", „planetarisch", „alle Welt", „wir" verwendet, identifiziere, auf wen sich diese Begriffe tatsächlich beziehen.
- Spricht der Autor im Namen einer abstrakten Menschheit, während er Realitäten beschreibt, die nur einen spezifischen Teil dieser Menschheit betreffen?
- Ist das „Wir" eine Maske für ein bestimmtes Publikum (westlich, europäisch usw.), das als universell dargestellt wird?

#### E. Prüfung der Abwesenheiten

*Zeit 1 — Identifikation*

- Welche anderen Erklärungen derselben Phänomene fehlen im Text?
- Welche Fakten, Akteure oder Verbindungen würden die These schwächen, wenn sie berücksichtigt würden?

*Zeit 2 — Strategische Qualifikation*

Beantworte für jede identifizierte Abwesenheit nacheinander:

1. Ist diese Information leicht zugänglich (öffentliche Quellen, offizielle Stellungnahmen, bekannte Daten, gegebenenfalls auch aus anderen Texten desselben Korpus)?
2. Erwähnt der Text sie, und sei es nur, um sie zurückzuweisen?
3. Wenn die Abwesenheit die Kriterien 1 und 2 ohne Antwort des Textes erfüllt, qualifiziere sie als strategische Auslassung. Andernfalls qualifiziere sie als bloßen Schwachpunkt.
4. Eine Abwesenheit ist nur dann eine **strukturelle Auslassung**, wenn der Analytiker ausdrücklich nachweist, dass das fehlende Element, wenn es einbezogen würde, die Schlussfolgerung direkt widerlegen oder eine grundlegende Überarbeitung des vertretenen Kausalmechanismus erzwingen würde.

#### F. Falsifizierbarkeit

- Ist die These so formuliert, dass sie widerlegt werden kann, oder ist sie gegen jeden Widerspruch immunisiert?
- Kann der Text einer Tatsache Rechnung tragen, die ihm widersprechen würde, oder müsste er sie ignorieren oder verzerren, um zu überleben?

Über die Form der These hinaus prüfe den Gebrauch, den der Text von ihr macht.

- Liste die Beobachtungen auf, die der Text als bestätigend behandelt.
- Frage, ob eine Beobachtung entgegengesetzten Vorzeichens ebenfalls als bestätigend behandelt wird. Wenn ja, qualifiziere den Mangel als **Unfalsifizierbarkeit im Gebrauch**, unterschieden von der **formalen Immunisierung**: Die These ist in ihrer Formulierung widerlegbar und absorbiert in ihrer Anwendung jede Beobachtung. Das ist die häufigste Form der Immunisierung bei Autoren, die auf ihre Methode achten.
- Frage ausdrücklich: Welche Beobachtung würde der Text als widerlegend anerkennen? Nennt der Text keine, weise darauf hin.

#### G. Stilregister und Lesbarkeit

- Identifiziere Sätze, deren syntaktische Komplexität so groß ist, dass sie beim ersten Lesen nicht verstanden werden können und mit Mündlichkeit unvereinbar sind.
- Frage dich, ob diese Komplexität funktional ist (sie drückt eine reale Komplexität des Realen aus) oder rhetorisch (sie erzeugt einen Effekt intellektueller Autorität, filtert die Leserschaft oder maskiert einen logischen Fehler).
- Stelle das Sprachregister dem erklärten Adressaten des Textes gegenüber. Wenn der Text vorgibt, sich an „alle" zu richten, spricht er eine Sprache, die tatsächlich für alle zugänglich ist? Die Kluft zwischen dem proklamierten „Wir" und dem tatsächlichen Register ist ein performativer Widerspruch, der festgehalten werden muss.

#### H. Epistemische Symmetrie

Wenn der Text einem Objekt (Institution, Gruppe, Theorie, Technologie usw.) einen Mangel zuschreibt – wie Undurchsichtigkeit, Voreingenommenheit, Irrationalität, Legitimitätsmangel, Bedarf an externer Rechtfertigung oder jedes andere Versagen gegenüber einer Strenge-Norm –, wende systematisch den folgenden Test an:

- Kann derselbe Mangel beim Äußerer, in der von ihm bevorzugten Gruppe oder Instanz oder im dispositiven des Textes selbst (sein Rahmen, seine Auslassungen, seine Voraussetzungen) festgestellt werden?
- Wenn ja, erkennt der Text dies an? Zieht er Konsequenzen daraus?
- Wenn nein, ist der Unterschied in der Behandlung explizit und gültig gerechtfertigt?

Wende denselben Test auf die Lesart nach Interessen an. Wenn der Text eine gegnerische Position durch die Interessen, die institutionelle Stellung oder die Finanzierung dessen erklärt, der sie vertritt, wendet er dieselbe Lesart auf seine eigenen Autoritäten an? Eine Erklärung nach Interessen, die nur für eine Seite gilt, ist eine nicht gerechtfertigte Asymmetrie, auch wenn der theoretische Rahmen des Textes sie im Grundsatz legitimiert.

Kennzeichne jede nicht gerechtfertigte Asymmetrie als argumentative Schwäche (performativer Widerspruch, unberechtigtes epistemisches Privileg oder reflexive Blindheit).

#### I. Test auf informationelle Zirkularität

Beantworte die folgenden Fragen:

1. **Gehören alle Quellen des Textes, die die zentrale These stützen, demselben Lager oder demselben ideologischen Ökosystem an?**
2. **Gibt es Quellen, die der These widersprechen könnten, und wenn ja, werden sie zitiert, zusammengefasst oder widerlegt?**
3. **Stellt der Text das Fehlen von Widerspruch als Beweis für die Gültigkeit seiner These dar?** (Dies ist ein Sophismus: Das Fehlen von Gegenargumenten in einer ausgewählten Stichprobe beweist nichts.)

Kennzeichne jede informationelle Zirkularität als argumentative Schwäche.

Hinweis: Dasselbe zugrundeliegende Phänomen (z. B. ein homogener Quellenkorpus) kann sich sowohl in Test 3.I (Zirkularität) als auch in Test 3.E (Abwesenheiten) manifestieren. Der Analytiker muss dies als eine einzige tiefere Ursache mit zwei Erscheinungsformen kennzeichnen, anstatt zwei unabhängige Mängel im Gesamturteil von Schritt 7 zu zählen.

#### J. Vergleichende Analyse der Behandlung

Vergleiche für jeden im Text erwähnten Akteur oder jede Gruppe systematisch:

1. **Welches Vokabular wird zu seiner/ihrer Beschreibung verwendet?** (neutral, lobend, abwertend, ironisch usw.)
2. **Werden seine/ihre Aussagen einer Überprüfung unterzogen oder als Fakten übernommen?**
3. **Werden seine/ihre Handlungen mit konkreten Details oder vage beschrieben?**
4. **Werden seine/ihre Motivationen erklärt oder lediglich angeprangert?**

Beantworte dann die folgende Frage:

- **Gibt es eine systematische Asymmetrie in der Behandlung der verschiedenen Akteure?** Wenn ja, rechtfertigt der Text sie ausdrücklich? Wenn keine gültige Rechtfertigung geliefert wird, kennzeichne diese Asymmetrie als argumentative Schwäche.

#### K. Test der Anpassung an das Zielpublikum

Bewerte, ob der Text seine persuasiven Verfahren an die Erwartungen des in 0.f identifizierten Publikums anpasst.

Antworte systematisch:

- **Verwendet der Text die von seinem Zielpublikum erwarteten Seriositätsmarker?**
  Zahlreiche Quellen, Experten, historische Referenzen, analytischer Ton, lexikalische Vorsicht, Zahlen, Zugeständnisse, syntaktische Komplexität, scheinbare Unterscheidung zwischen Fakten und Interpretationen.

- **Verstärken diese Marker wirklich die demonstrative Qualität des Textes, oder dienen sie hauptsächlich dazu, eine bereits feststehende Schlussfolgerung akzeptabel zu machen?**

- **Ist die Gegenrede formal oder wirksam?**
  Eine Gegenrede ist wirksam, wenn sie den Text zwingt, seine These zu modifizieren, einzuschränken oder umzugestalten.
  Eine Gegenrede ist formal (oder dekorativ), wenn sie erwähnt, aber sofort absorbiert, marginalisiert oder unschädlich gemacht wird.

- **Sind die Zugeständnisse öffnend oder immunisierend?**
  Ein öffnendes Zugeständnis macht eine andere oder unsicherere Schlussfolgerung möglich.
  Ein immunisierendes Zugeständnis verleiht den Anschein von Ausgewogenheit, während es die zentrale Schlussfolgerung vor Kritik schützt.

- **Sind die bereits in 3.E identifizierten Auslassungen genau diejenigen, die das in 0.f identifizierte Zielpublikum kennen müsste, um die These autonom zu bewerten?**

- **Wo konzentriert sich die Strenge?**
  Lokalisiere im Text getrennt die Behauptungen, die von einem genauen Beleg begleitet werden (Werk, Datum, Seite, benannte Quelle, erklärte Methode), und die Behauptungen ohne Beleg. Vergleiche dann beide Verteilungen. Betreffen die genauen Belege jene Behauptungen, die das Zielpublikum selbst mit geringem Aufwand überprüfen kann, oder jene, die die These tragen?
  Eine auf das Überprüfbare konzentrierte und beim Entscheidenden fehlende Strenge wirkt als Glaubwürdigkeitsvorrichtung und nicht als Untermauerung. Sie erzeugt einen Eindruck von Gelehrsamkeit, der weiter reicht als die tatsächliche Quellenarbeit, und sie wirkt umso stärker, je untadeliger die wenigen gelieferten Belege sind.

- **Erzeugt der Text eine interpretative Schließung in Form von Komplexität?**
  Mit anderen Worten: Gibt er dem Leser das Gefühl, die Komplexität durchschritten zu haben, während die eingeführten Elemente die Schlussfolgerung nie wirklich bedrohen?

Empfohlene Begriffe in der Analyse:

- **Wirksame Gegenrede**: Vorhandensein eines wirklich ernst genommenen Einwands.
- **Dekorative Gegenrede**: Vorhandensein eines Einwands, der die argumentative Bahn nicht verändert.
- **Immunisierendes Zugeständnis**: Nuance, die hauptsächlich dazu dient, den Vorwurf der Parteilichkeit zu vermeiden.
- **Gesperrte Nuance**: Nuance, die so integriert ist, dass sie die Schlussfolgerung verstärkt, anstatt sie zu öffnen.
- **Angepasste Propaganda**: Propaganda, die die intellektuellen, moralischen oder ästhetischen Codes des anvisierten Publikums übernimmt.
- **Verschobene Strenge**: dokumentarische Genauigkeit, konzentriert auf die am leichtesten überprüfbaren Behauptungen und fehlend bei jenen, die die These tragen.

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### Schritt 4 — Inferenz strategischer Absicht

Ein argumentativer Text ist nicht nur eine Anordnung von Propositionen, sondern ein Akt in der Welt, der Wirkungen auf eine Leserschaft abzielt. Die Identifikation einer strategischen Absicht muss einer strengen Progression folgen.

**Vorfrage — Erklärter Zweck**

Beginne mit der Identifikation des expliziten Zwecks des Textes: Was sagt er, tun zu wollen? (Überzeugen, anprangern, mobilisieren, erklären, Zeugnis ablegen?). Dieser erklärte Zweck dient als Vergleichspunkt für die gesamte weitere Analyse.

**Ebene 1 — Textuelle Indizien**

Erfasse, ohne sie zu interpretieren, alle Elemente des Textes, die auf eine nicht explizit erklärte strategische Absicht hinweisen könnten:

- Unterscheidungs- oder Positionierungsmerkmale in einem Feld (Verweise auf Strömungen, auf „falsche Weisen" zu denken, auf ungenannte Gegner);
- Adressierungen an ein spezifisches Publikum (Komplizenschaftsmarker, geteilte Implikationen, „Wir", dessen realer Umfang identifiziert werden muss);
- Schweigen, Auslassungen, gemiedene Themen, die erwartet werden könnten;
- Nachdrücklichkeiten, Wiederholungen, Formeln, die auf einen präzisen Effekt beim Leser abzielen (Schuldzuschreibung, Mobilisierung, Legitimierung des Autors);
- die Kluft zwischen Sprachregister und angezeigtem Adressaten;
- Spannungen, Widersprüche oder Mehrdeutigkeiten, die nahelegen, dass der Text nicht alles offen einräumen kann, was er tut.

Diese Ebene ist rein deskriptiv. Es werden in diesem Stadium keine Schlussfolgerungen gezogen.

**Ebene 2 — Strategische Hypothese**

Formuliere aus den erfassten Indizien eine oder mehrere Hypothesen über den erschließbaren Zweck des Textes, d.h. darüber, was der Text über seinen erklärten Zweck hinaus zu tun sucht. Jede Hypothese muss als solche präsentiert werden („Man kann die Hypothese aufstellen, dass...", „Der Text könnte auch darauf abzielen...") und explizit mit den Indizien der Ebene 1 verbunden werden, die sie stützen.

Die Hypothesen können sich beziehen auf:

- den wirklichen Adressaten (zu wem spricht der Text wirklich? Wendet er sich an bereits Überzeugte, um sie zu stärken, statt an Unentschlossene, um sie zu überzeugen? Spricht er zu Peers, um eine Position in einem intellektuellen Feld zu markieren, statt zum großen Publikum, um es zu mobilisieren?);
- die Legitimationsfunktion des Autors (dient der Text dazu, dem Autor eine Position als Experte, Theoretiker, moralische Figur, Sprecher zu verleihen?);
- den angestrebten Effekt auf den Leser (informieren, bewegen, Schuld zuweisen, mobilisieren, lähmen, stärken, zum Schweigen bringen) und seine Kohärenz mit dem erklärten Zweck;
- eine Unterscheidungs- oder Positionierungsoperation in einem intellektuellen oder politischen Feld;
- eine implizite strategische Funktion (z.B.: einen Konkurrenten disqualifizieren, ohne ihn zu nennen, sich von einer radikaleren oder moderateren Position abgrenzen, eine institutionelle Position schützen, einen Legitimationseffekt erzeugen, ohne ihn explizit auszusprechen).

**Ebene 3 — Vertrauensgrad**

Bewerte für jede Hypothese den Vertrauensgrad, den der Text ihr zuzugestehen erlaubt, nach einer einfachen Skala:

- **Hoch**: Die Hypothese wird durch konvergierende Indizien gestützt und kein Element des Textes widerspricht ihr.
- **Mittel**: Es gibt Indizien, aber andere Interpretationen sind möglich.
- **Niedrig**: Die Hypothese beruht auf dünnen oder mehrdeutigen Indizien; sie ist plausibel, aber weit von sicher entfernt.

Wenn keine Hypothese einen hohen Vertrauensgrad erreicht, sage dies ausdrücklich. Die strategische Absicht ist nicht immer erschließbar, und es ist ehrlicher, das Urteil auszusetzen, als eine Interpretation zu erzwingen.

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### Schritt 5 — Überprüfung der internen Kohärenz

Stelle das in der Eröffnung angekündigte Programm (was der Text zu tun vorgibt) dem tatsächlichen Inhalt des Textkörpers gegenüber.

- Tut der Text, was er zu tun sagte?
- Unterlässt er, was er zu unterlassen sagte?
- Wenn eine Abweichung festgestellt wird, muss die Eröffnungserklärung als rhetorische Selbstlegitimierungsvorrichtung und nicht als aufrichtige methodische Verpflichtung eingestuft werden.

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### Schritt 6 — Rückkehr zum Eröffnungsrahmen

Lies die Schlussfolgerungen der Schritte 3, 4 und 5 im Lichte von Schritt 1 erneut.

- Hat der anfängliche Rahmen die Argumentation vorherbestimmt oder geschützt, indem er bestimmte Einwände vorab neutralisierte?
- Überlebt die These, wenn das Eröffnungspostulat abgelehnt wird?
- Sind die Argumente unabhängig vom Rahmen oder hängen sie vollständig von ihm ab?
- Wirft die erschlossene strategische Absicht ein neues Licht auf die Funktion des Eröffnungsrahmens?

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### Schritt 7 — Differenziertes Fazit

**Bei unzureichenden Elementen**: Wenn ein Abschnitt der Analyse nicht zuverlässig ausgefüllt werden kann, weil der Text nicht genügend Informationen liefert, muss der Analytiker dies ausdrücklich angeben. Formulierungen wie „Unzureichende Daten für eine Schlussfolgerung", „Keine beweiskräftigen Elemente im Text" oder „Diese Frage lässt sich allein auf Grundlage des analysierten Textes nicht entscheiden" sind einer künstlich vollständigen Analyse vorzuziehen. Eine Grenze anzuerkennen diskreditiert die Analyse nicht, im Gegenteil.

Anwendung auf die drei Teilschritte:

- **In 7.a**: Lässt sich der Schweregrad eines Mangels mangels Informationen nicht durch den Substitutionstest bestimmen, wird der Mangel mit dem Vermerk „Schweregrad derzeit nicht bestimmbar" aufgeführt und nicht standardmäßig als „geringfügig" eingestuft.
- **In 7.b**: Stellt der Text nichts solide fest, schreibe es. Der Abschnitt ist obligatorisch, seine Füllung nicht. Einem Text Qualitäten zuzuschreiben, die er nicht hat, um den Abschnitt zu ehren, ist eine Gefälligkeit, die der künstlichen Strenge symmetrisch entspricht.
- **In 7.c**: Erlauben die in 0.d, 0.e und 0.f gesammelten Elemente keine Zuordnung einer Stufe, schreibe „Stufe derzeit nicht zuordenbar" und nenne das fehlende Element. Falle nicht standardmäßig auf Stufe 1 zurück.

Drei Grenzen begrenzen diese Klausel.

**Unzulänglichkeit des Textes, nicht Unentschlossenheit des Analytikers.** Die Klausel deckt den Fall ab, in dem der Text die Information nicht liefert. Sie deckt nicht den Fall ab, in dem der Analytiker sich kein Urteil gebildet hat. Beides zu vermengen bedeutet, die Klausel als ausweichenden Abschwächer zu verwenden, was Regel 14 untersagt. Der Test ist einfach: Lässt sich die fehlende Information benennen? Kann der Analytiker schreiben „es fehlt X", gilt die Klausel. Kann er nur schreiben „das ist schwer zu sagen", gilt Regel 14.

**Unzureichende Information, nicht Ausschluss aus dem Umfang.** Ein nicht ausgefüllter Abschnitt, weil der entsprechende Teil des Textes außerhalb des erklärten Umfangs liegt (0.a bis), ist als außerhalb des Umfangs zu kennzeichnen und nicht als fehlende Angabe. Beide Vermerke sagen dem Leser nicht dasselbe.

**Kein Ausweichen vor der Rechnung.** Die Unzulänglichkeit der Information deckt jene Tests nicht ab, die der Text mit dem, was er liefert, auszuführen erlaubt. Insbesondere verlangt Test A von Anhang 4 (Größenordnung) nur die Zahl selbst und eine Bezugsmenge: Er kann niemals als nicht ausfüllbar erklärt werden.

#### 7.a – Schweregrad der Mängel

Ordne jedem identifizierten argumentativen Mangel einen Schweregrad zu:

- **Unheilbar**: Der Mangel entkräftet die zentrale These (z.B. schwerer logischer Widerspruch, strukturelle Auslassung, ohne die die These nicht hält, offensichtliche Fälschung).
- **Schwerwiegend**: Der Mangel schwächt die These erheblich, entkräftet sie aber nicht vollständig.
- **Geringfügig**: Der Mangel beeinträchtigt die Gesamtschlussfolgerung des Textes nicht.

**Substitutionstest für den Schweregrad**: Um einen unheilbaren Mangel von einem schwerwiegenden zu unterscheiden, wende den folgenden Test an: *Kann eine bereinigte Fassung des Textes, wenn man das fehlerhafte Element (die nicht belegte Behauptung, die Auslassung, den logischen Sprung) gedanklich entfernt, ihre zentrale Schlussfolgerung aufrechterhalten, ohne den Charakter ihres Anspruchs zu verändern (z. B. von einer Demonstration zu einer bloßen Meinung übergehen oder von einer Tatsachenbehauptung zu einer Hypothese)?*

- Wenn die zentrale Schlussfolgerung nicht mehr unter demselben Anspruch aufrechterhalten werden kann: **unheilbar**.
- Wenn die Schlussfolgerung aufrechterhalten werden kann, aber mit einem deutlich abgeschwächten Anspruch (weniger Gewissheit, weniger Allgemeingültigkeit): **schwerwiegend**.
- Wenn die Schlussfolgerung und ihr Anspruch unverändert bleiben: **geringfügig**.

#### 7.b – Was der Text solide etabliert (obligatorisch)

Verfasse einen eigenen, substanziellen Abschnitt, der die Punkte auflistet, in denen der Text gelungen ist: präzise Informationen, gültige Argumentationen, interne Kohärenz, legitime rhetorische Qualitäten (sofern nicht trügerisch) usw. Dieser Abschnitt ist kein bloßes Zugeständnis; er muss ebenso entwickelt sein wie der Abschnitt über die Mängel.

Unterscheide anschließend ausdrücklich:

- **Die wirklichen Qualitäten des Textes**, wie in 7.b aufgelistet, sofern sie unabhängig von seinen argumentativen Mängeln existieren. Achtung: Bezeichne eine durch Sophismen erzielte Wirksamkeit nicht als „rhetorische Stärke". Bezeichne den zirkulären Abschluss eines Systems auf sich selbst nicht als „interne Kohärenz". Bezeichne eine selektive Beschwörung, die gegenteilige Fakten auslässt, nicht als „Fähigkeit, reale Phänomene zu benennen".

- **Die präzisen argumentativen Mängel** mit ihrem Schweregrad (7.a).

- **Die erschlossenen strategischen Absichten**, dargestellt als auf der Analyse beruhende Hypothesen, nicht als Gewissheiten. Erinnere an den jeder Hypothese zugeordneten Vertrauensgrad.

- **Verbindung zwischen erschlossener Absicht und Gesamturteil:**
  - Wenn eine signifikante Kluft zwischen erklärtem Zweck und erschlossenem Zweck festgestellt wird, was verrät sie über die Natur des Textes? Ein Text kann als politischer Akt (Positionierung, Mobilisierung) gelungen sein, während er als Beweisführung scheitert.
  - Die erschlossene Absicht widerlegt die These nicht, aber sie kann ihre argumentativen Schwächen erklären: Ein Autor, der ein strategisches Ziel verfolgt, kann Strenge zugunsten rhetorischer Wirksamkeit opfern, nicht aus Versehen, sondern in Kohärenz mit seinem wirklichen Ziel.
  - Verwechsle die Analyse der strategischen Funktion des Textes nicht mit der Widerlegung seiner These.

- **Nicht gerechtfertigte Asymmetrien**: Gegebenenfalls liste die Mängel auf, die der Text seinem Objekt zuschreibt, aber bei sich selbst oder im eigenen Lager nicht anerkennt, ohne gültige Rechtfertigung.

- **Gesamturteil**: Ist die These etabliert? Erfüllt der Text seinen Beweisanspruch? Wenn der Text als Beweisführung scheitert, aber als Manifest oder Positionierungsakt funktioniert, sage dies ausdrücklich, ohne diese beiden Bewertungsregister zu vermischen. Erwähne, ob unheilbare Mängel festgestellt wurden.

#### 7.c – Einstufung des Propagandagrads

Ordne auf der Grundlage der Beobachtungen aus den Schritten 0.d, 0.e, 0.f, 3.I, 3.J, 3.E und 3.K einen Propagandagrad gemäß der folgenden Skala zu.

Skala zur Einstufung des Propagandagrads:

- **Stufe 0 — Neutrale Information**: vielfältige Quellen, symmetrische Behandlung, keine offensichtliche Voreingenommenheit. Das Zielpublikum wird nicht durch Glaubwürdigkeitscodes manipuliert, die eine argumentative Schließung verschleiern.
- **Stufe 1 — Engagierter Journalismus, Kommentar oder eingeräumtes Plädoyer**: der Text verteidigt klar eine Position, aber die Gegenrede wird nicht neutralisiert, und die Quellen sind nicht massiv einseitig. Die Voreingenommenheit ist sichtbar, und der Text erhebt keinen Anspruch auf Neutralität.
- **Stufe 2 — Plädoyer oder Lagerpropaganda**: der Text versucht, ein nahestehendes Publikum zu überzeugen oder zu mobilisieren. Er wählt die Fakten stark aus und behandelt die Akteure asymmetrisch. Der Standpunkt ist sichtbar und eingeräumt, aber die Gegenrede ist begrenzt oder neutralisiert. Der Text kann zwei Formen annehmen:
  - **Stufe 2 plakativ**: sichtbar engagierter, wenig nuancierter, stark anklagender Text, angepasst an ein bereits mobilisiertes oder wenig anspruchsvolles Publikum.
  - **Stufe 2 sophistiziert**: Text in journalistischer, fachkundiger oder analytischer Form, angepasst an ein kultiviertes oder institutionelles Publikum. Quellen, Nuancen und Zugeständnisse funktionieren hauptsächlich als Glaubwürdigkeitsmarker.
- **Stufe 3 — Institutionelle, staatliche oder parastaatliche Propaganda**: Koordination mit einer Institution, einer Regierung oder einem Machtapparat, Fabrikation oder Manipulation von Informationen, Verbot oder Unmöglichkeit von Gegenrede. Die Funktion der politischen oder militärischen Legitimation ist explizit.

Vorsichtsmaßnahmen:

> Der Begriff „Propaganda" sollte nicht allein deshalb verwendet werden, weil ein Text engagiert, asymmetrisch oder militant ist. Er wird erst dann relevant, wenn die Asymmetrie mit interpretativer Schließung, neutralisierter Gegenrede, strukturellen Auslassungen oder einer Textorganisation einhergeht, die darauf abzielt, die autonome Prüfung des Lesers zu verhindern.

> Die bloße Tatsache, dass ein Text an sein Publikum angepasst ist, reicht nicht aus, um ihn als Propaganda einzustufen. Jede argumentierte Kommunikation berücksichtigt ihren Adressaten. Die Anpassung an das Publikum wird nur dann zu einem Indiz für Propaganda, wenn sie von einer starken Asymmetrie der Behandlung, strategischen Auslassungen, informationeller Zirkularität, neutralisierter Gegenrede und interpretativer Schließung begleitet wird.

Zur Einstufung verwendete Kriterien:

- Vielfalt der Quellen (0.d)
- Transparenz über den Produktionskontext (0.e)
- Identifikation des Zielpublikums und seines Glaubwürdigkeitsvertrags (0.f)
- Informationelle Zirkularität (3.I)
- Symmetrie der Akteursbehandlung (3.J)
- Vorhandensein und Art strategischer Auslassungen (3.E)
- Tatsächliche Funktion von Nuancen, Zugeständnissen und Mäßigungen (3.K)
- Wirksame oder dekorative Gegenrede (3.K)
- Anpassung der persuasiven Verfahren an die Erwartungen des Zielpublikums (3.K)
- Grad der vom Text erzeugten interpretativen Schließung

Darstellung in der Analyse:

Im Abschnitt 7.c muss der Analytiker:

- Die Skala darstellen (die Stufen mit ihren Bezeichnungen wiedergeben).
- Dem analysierten Text eine Stufe zuweisen, mit Angabe von Nummer, Bezeichnung und gegebenenfalls der Form (plakativ oder sophistiziert für Stufe 2).
- Die Zuweisung begründen, indem die beobachteten Kriterien unter Verweis auf die entsprechenden Schritte (0.d, 0.e, 0.f, 3.I, 3.J, 3.E, 3.K) aufgelistet werden.

**Zusammengesetzte und lange Texte: Stufen für Teilbereiche.**

Bei einem langen oder zusammengesetzten Text mittelt eine einzige globale Stufe heterogene Regime. Ein Abschnitt kann Stufe 2 frontal entsprechen in einem Text, der insgesamt Stufe 1 entspricht.

In diesem Fall kann der Analytiker eine Hauptstufe zusammen mit Stufen für Teilbereiche zuordnen, unter zwei zwingenden Bedingungen:

- die globale Stufe ist nicht der Mittelwert der Teilbereichsstufen; sie muss als eigenes Urteil über den Text als Ganzes begründet werden;
- jede Teilbereichsstufe muss an benannte Abschnitte gebunden sein, niemals an eine nachträglich ausgewählte Einzelpassage. Ohne diese Bedingung erlaubt die Teilzuordnung, einen streng bewerteten Absatz aus einem im Übrigen tragfähigen Text herauszulösen, was ein Verfahren wider Treu und Glauben ist.

Wird die Analyse im Light-Modus (Anhang 1) durchgeführt, entfällt dieser Schritt.

Beispielformulierung für die Analyse:

Skala zur Einstufung des Propagandagrads:

- **Stufe 0 — Neutrale Information**: vielfältige Quellen, symmetrische Behandlung, keine offensichtliche Voreingenommenheit.
- **Stufe 1 — Engagierter Journalismus, Kommentar oder eingeräumtes Plädoyer**: sichtbare Voreingenommenheit, Gegenrede nicht neutralisiert.
- **Stufe 2 — Plädoyer oder Lagerpropaganda**: starke Faktenauswahl, asymmetrische Behandlung, begrenzte oder neutralisierte Gegenrede.
  - **Stufe 2 plakativ**: sichtbar engagiert, wenig nuanciert.
  - **Stufe 2 sophistiziert**: journalistische oder fachkundige Form, an ein kultiviertes Publikum angepasst.
- **Stufe 3 — Institutionelle, staatliche oder parastaatliche Propaganda**: Koordination mit einer Macht, Fabrikation oder Manipulation von Informationen.

**Dem analysierten Text zugewiesene Stufe**: Stufe 2 — Plädoyer oder Lagerpropaganda (sophistizierte Form)

**Begründung**:

- Vielfalt der Quellen (0.d): sehr gering, Quellen gehören fast alle demselben Lager an.
- Transparenz über den Produktionskontext (0.e): nicht vorhanden.
- Zielpublikum und Glaubwürdigkeitsvertrag (0.f): kultiviertes Publikum, das Seriositätsmarker erwartet (Experten, Zahlen, Mäßigung).
- Informationelle Zirkularität (3.I): stark, keine wirksame Gegenrede.
- Symmetrie der Behandlung (3.J): asymmetrisch.
- Strategische Auslassungen (3.E): zahlreich und strukturell.
- Anpassung an das Zielpublikum (3.K): die Seriositätsmarker (Expertisen, gelegentliche Zugeständnisse) funktionieren als Glaubwürdigkeitsgarantien, ohne die Schlussfolgerung wirklich zu öffnen.

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### Schritt 8 — Selbstkritische Prüfung der Analyse

#### Kohärenzkontrolle, obligatorische Vorstufe

Vor jeder reflexiven Prüfung überprüft der Analytiker mechanisch, dass seine Analyse in sich stimmig ist. ARGUS unterzieht den analysierten Text in Schritt 5 einer internen Kohärenzprüfung; kraft des performativen Vertrags aus 0.c unterzieht es sich ihr selbst. Sechs Kontrollen, jede mit einem benannten Element zu beantworten.

- **Kopfzeile und Anhänge**: Sind die im Kopf als aktiviert erklärten Anhänge diejenigen, über die die Kontrollpunkte entschieden haben, und hat jeder tatsächlich seinen Abschnitt hervorgebracht?
- **Externe Überprüfungen**: Entspricht die erklärte Zahl den im Text der Analyse berichteten Überprüfungen, und beziehen sie sich auf den erklärten Gegenstand und nicht auf eine andere Fassung des Textes?
- **Widerspruchsfreiheit zwischen den Schritten**: Wird eine Aussage aus Schritt 7 durch eine Feststellung aus den Schritten 3 bis 6 widerlegt? Insbesondere: Kann ein als Punkt der Strenge des Textes vermerktes Element neben einer Qualifizierung bestehen, die dessen Fehlen voraussetzt?
- **Berechnungen**: Ist jede in 7.b als exakt geprüft aufgeführte Berechnung von dem durch den Analytiker nachgerechneten Wert begleitet? Andernfalls gilt sie als ungeprüft und nicht als exakt.
- **Tatsachenfeststellungen**: Erhält derselbe Sachverhalt an zwei Stellen der Analyse zwei unvereinbare Beschreibungen?
- **Register der Analyse** (Regel 19): Enthält die Analyse ein vergleichendes Lob oder einen vergleichenden Tadel, den ich nicht belegen kann, oder einen wertenden Ausdruck, den die Feststellung nicht verlangt?

Eine festgestellte Unstimmigkeit ist vor der Abgabe zu beheben, nicht zu vermerken und beizubehalten. Diese Kontrolle ist kein auszufüllender Abschnitt: Sie ist die Gelegenheit zur Korrektur. Ergibt sie keine Unstimmigkeit, schreibe es in einer Zeile.

Diese Kontrolle gilt in der Kurzversion wie in der vollständigen Version.

#### Reflexive Prüfung

Der Analytiker wendet die folgenden Tests auf seinen eigenen Kommentar an. Dieser Schritt ist nicht mehr optional. Er kann auf eine Kurzversion von 3 bis 4 Zeilen reduziert werden, die mindestens abdeckt:

- (a) eine unbewiesene Voraussetzung, die der Analytiker selbst zugelassen hat;
- (b) ein identifiziertes Risiko der Voreingenommenheit (einschließlich eines Serien- oder Ankereffekts, wenn die Analyse Teil einer Textsequenz ist);
- (c) eine ungelöste Informationsbeschränkung;
- (d) **Deferenz**: Hat der Rang einer Quelle (anerkannte Institution, kanonischer Autor, Fachzeitschrift mit Begutachtung, etablierte Nachrichtenagentur) den Beweisanspruch des Analytikers bei einer bestimmten Behauptung gesenkt? Wenn ja, bei welcher?
- (e) **Serienkonformismus**: Wenn diese Analyse auf andere Analysen folgt, hat der Analytiker ein Urteil an den vorangegangenen ausgerichtet statt am Text? Bei welchem Punkt genau?

Die Punkte (d) und (e) müssen eine Antwort erhalten, die ein genaues Element benennt, oder den ausdrücklichen Vermerk, dass kein Fall festgestellt wurde. Eine allgemeine Kenntnisnahme füllt sie nicht aus. Eine bereits unter der Klausel „Bei unzureichenden Elementen" in Schritt 7 gemeldete Beschränkung darf hier nicht erneut als eigenständige Beschränkung gezählt werden: Ein Verweis genügt.

Die Langversion (vier ausgearbeitete Punkte unten) bleibt für veröffentlichte Analysen oder solche, die für eine ernsthafte kritische Verwendung bestimmt sind, empfohlen.

- **Voraussetzungen der Analyse**: Welche unbewiesenen Voraussetzungen hat der Analytiker selbst zugelassen (z.B. Überlegenheit eines Beweistyps über einen anderen, Legitimität der Forderung nach externen Quellen usw.)?
- **Epistemische Symmetrie**: Hat der Analytiker auf seinen eigenen Diskurs dieselben Anforderungen an Strenge, Transparenz und Widerspruchsfreiheit angewendet, die er vom untersuchten Text verlangt hat?
- **Mögliche Verzerrungen**: Hat der Analytiker Grund zu vermuten, dass seine eigenen Meinungen (politisch, beruflich, kulturell) die Analyse gelenkt haben?
- **Grenzen der Analyse**: Welche zusätzlichen Informationen wären nötig, um bestimmte offen gelassene Punkte zu klären?

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### Hinweis zur Zuverlässigkeit der Analyse

Am Ende jeder Analyse muss die KI den folgenden Kasten einfügen:

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**Hinweis zur Zuverlässigkeit dieser Analyse**

Diese Analyse wurde von einer künstlichen Intelligenz erstellt, die die Anwendung des ARGUS-Protokolls unterstützt. Die KI kann Fehler, Auslassungen oder unangemessene Interpretationen machen. Es wird empfohlen, die Analyse kritisch gegenzulesen und die folgenden Punkte zu überprüfen: Einhaltung der angekündigten Schritte, Vorhandensein des Abschnitts „Was der Text solide etabliert" (7.b) und globale Kohärenz des Urteils.

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### Absolute und dauerhafte Regeln

1. Verwechsle niemals rhetorische Stärke mit logischer Gültigkeit.
2. Akzeptiere niemals den Rahmen eines Textes, ohne ihn geprüft zu haben.
3. Behandle niemals eine Metapher als Argument.
4. Jage stets dem nach, was der Text zu denken verhindert, ebenso wie dem, was er aussagt.
5. Betrachte die Eröffnung stets als strategischen Akt, nicht als einfache Einleitung.
6. Wenn ein Wort allein massive rhetorische Arbeit leistet, ist das ein Alarmsignal.
7. Wenn ein Text „wir" oder „alle" sagt, frage, wer eingeschlossen und wer ausgeschlossen ist.
8. Überprüfe stets, ob Fakten zur Stützung der These herangezogen oder angepasst werden, um ihr zu dienen.
9. Stelle stets das angekündigte Programm dem tatsächlichen Inhalt gegenüber.
10. Wenn eine existierende, argumentierte und signifikante Analyse mit dem Text vorgelegt oder ausdrücklich in das der KI vorgelegte Korpus aufgenommen wird und sie einer Charakterisierung des Textes frontal widerspricht, kann ihre Abwesenheit in der analysierten Argumentation ein Indiz argumentativer Schwäche darstellen.
11. Untersuche stets Lesbarkeit und Stilregister: Unnötig komplexe Syntax kann ein argumentatives Vakuum maskieren oder die Leserschaft filtern, und ein Text, der vorgibt, sich an alle zu richten, in einer Sprache, die ausschließt, befindet sich in einem performativen Widerspruch.
12. Hinterfrage stets die strategische Absicht des Textes: Zu wem spricht er wirklich, um welche Wirkung zu erzielen, und zu welchem sozialen oder politischen Zweck? Diese Befragung muss der Dreistufigkeit (textuelle Indizien, Hypothese, Vertrauensgrad) folgen.
13. Die Analyse stützt sich zuerst auf die im Text selbst verfügbaren Elemente. Die externe Überprüfung ist jedoch verpflichtend, wenn ein Element für die Beweisführung entscheidend ist und eine einfache Kontrolle es feststellen könnte, unter den Bedingungen und nach der Symmetriedoktrin, die in 3.B ausgeführt sind. Jede externe Überprüfung ist anzukündigen, mit Quelle zu versehen und von der internen Prüfung zu unterscheiden. Jede Analyse gibt die Zahl der durchgeführten Überprüfungen an und begründet sie, wenn diese Zahl null ist. Die externe Überprüfung bleibt auf die entscheidenden Elemente begrenzt und ersetzt die interne Analyse nicht.
14. Schwäche niemals eine kritische Schlussfolgerung durch vage oder vorsichtige Moderatoren ab, wenn der Text diese Abschwächung nicht rechtfertigt. Ausdrücke wie „ungenügend", „nicht genug", „relativ", „teilweise", „neigt zu", „scheint", „fast", „in gewissem Maße" dürfen nur verwendet werden, wenn sie genau dem Zustand des Textes entsprechen. Wenn ein Element fehlt, sage, dass es fehlt. Wenn ein Widerspruch festgestellt wird, sage, dass es einen Widerspruch gibt. Kritische Vorsicht besteht nicht darin, die Diagnose zu schwächen, sondern klar zu unterscheiden, was die Analyse zu behaupten erlaubt und was nicht.

    Diese Regel untersagt dem Analytiker, sich durch Abschwächungen seinem eigenen Urteil zu entziehen. Sie darf nicht dazu führen, einen Autor zu bestrafen, dessen Text selbst Nuancen, Vorsicht oder alternative Hypothesen ausdrückt. Ist der Text nuanciert, muss die Analyse diese Nuance mit präzisen Begriffen wiedergeben, ohne daraus einen Vorwurf der Unschärfe zu machen.

15. Formatierungsregeln für die Analyseausgabe:
  - Verwende niemals Tabellen (weder Markdown noch HTML). Verwende stattdessen Aufzählungen, nummerierte Listen, Schlüssel-Wert-Paare oder strukturierte Absätze mit Zwischenüberschriften.
  - Verwende für Aufzählungen ausschließlich das Zeichen `-` als Aufzählungszeichen, mit einer Leerzeile vor dem ersten Aufzählungszeichen, einem Leerzeichen nach dem Aufzählungszeichen und keinen Leerzeilen zwischen den Listenelementen. Nummerierte Listen sind ebenfalls erlaubt, nach demselben Abstandsprinzip (Leerzeile davor, keine Leerzeilen zwischen den Elementen).
  - Verwende für Unterelemente keine sekundären Aufzählungszeichen. Platziere zusätzliche Informationen in den folgenden Zeilen, ohne Aufzählungszeichen, mit einer Einrückung von zwei Leerzeichen.
  - Verwende für Schlüssel-Wert-Paare das Format `**Begriff**: Definition.`

16. **Verwechsle niemals formale Gegenrede mit wirksamer Gegenrede.** Das Vorhandensein einer Nuance, eines Zugeständnisses oder einer gegnerischen Quelle beweist nicht die Ausgewogenheit des Textes. Der Analytiker muss prüfen, ob diese Nuance die Schlussfolgerung wirklich verändern kann oder nur dazu dient, die Schlussfolgerung für das Zielpublikum akzeptabler zu machen.

17. **Bewerte Propaganda stets im Verhältnis zu ihrem Zielpublikum.** Eine an ein kultiviertes Publikum gerichtete Propaganda kann quellengestützt, nuanciert, vorsichtig und stilistisch sophistiziert sein. Diese formalen Qualitäten schließen sie nicht aus dem Bereich der Propaganda aus, wenn sie dazu dienen, die Interpretation zu schließen, anstatt sie zu öffnen.

18. **Niemals eine künstlich vollständige Analyse erstellen.** Wenn der Text nicht genügend Elemente liefert, um einen Abschnitt zuverlässig zu behandeln, muss der Analytiker dies ausdrücklich sagen („Unzureichende Daten", „Keine beweiskräftigen Elemente", „Frage nicht allein auf der Grundlage des Textes entscheidbar"). Es ist besser, eine Grenze anzuerkennen, als einen Abschnitt mit Spekulationen oder Allgemeinplätzen zu füllen. Die ausführliche Umsetzung dieser Regel, mit ihren drei Grenzen, steht am Kopf von Schritt 7 unter der Klausel „Bei unzureichenden Elementen".
19. **Wende die Tests 3.C und 3.G auf die eigene Prosa an.** Das Protokoll prüft das Register des analysierten Textes; es prüft auch das eigene. Eine kritische Analyse, die ihr eigenes Register nicht überwacht, wird von ihrer Prosa widerlegt, bevor sie es von ihren Feststellungen wird. Daraus folgen zwei Verbote.
  **Unbelegtes vergleichendes Lob oder Tadel.** Einen Text durch Vergleich mit einer Klasse von Texten aufzuwerten oder abzuwerten („strenger, als die Gattung verlangt", „selten in dieser Art von Produktion", „wie so oft in jenen Kreisen") setzt eine empirische Behauptung über diese Klasse voraus. Kann die Analyse sie nicht belegen, wird der Vergleich gestrichen und die Feststellung ohne Kontrastfolie formuliert. Diese Regel ist das Gegenstück zu Regel 14: Jene untersagt die vagen Abschwächer, die eine Kritik abmildern, diese untersagt die vagen Vergleiche, die ein Lob oder einen Vorwurf aufblähen.
  **Wertende Ausdrücke in der Analyse.** Der Wortschatz, den 3.C im analysierten Text feststellt, hat in dem Kommentar, der ihn feststellt, nichts zu suchen. Praktischer Test: Streiche den abwertenden Ausdruck und prüfe, ob die Feststellung hält. Hält sie, war der Ausdruck überflüssig; hält sie nicht, war die Feststellung nicht belegt.

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### Herkunft und eigener Beitrag

ARGUS steht in einer Tradition, die es nicht erfunden hat. Der Ausdruck „intellektuelle Selbstverteidigung" stammt von Noam Chomsky, und seine französischsprachige Verbreitung verdankt sich Normand Baillargeon (*Petit cours d'autodéfense intellectuelle*, Lux, 2005). Die Schritte 0.d und 0.e bringen das Propagandamodell von Edward Herman und Noam Chomsky (*Manufacturing Consent*, Pantheon, 1988) auf die Ebene des einzelnen Textes; dessen fünf Filter betreffen Größe und Gewinnorientierung, Werbeabhängigkeit, Abhängigkeit von institutionellen Quellen, die von den Mächtigen auf die Medien ausgeübte Disziplinierung sowie ideologische Feindseligkeit. Anhang 4 verdankt seine Tests der Größenordnung und der Basisrate der skeptischen Tradition, von Darrell Huff bis Carl Sagan, Henri Broch und Joel Best.

Was ARGUS dieser Tradition hinzufügt, lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen.

- Die vor der Prüfung erklärte und an die Textgattung gebundene Beweisnorm, während die Tradition des kritischen Denkens eine Liste von Trugschlüssen einheitlich auf einen Leitartikel und einen wissenschaftlichen Aufsatz anwendet.
- Die anspruchsvolle Stufe 2 in Schritt 7.c, das heißt die Vorstellung, dass eine an ein gebildetes Publikum gerichtete Propaganda mit Quellen versehen, differenziert und vorsichtig sein kann, was das Modell von 1988 nicht formuliert.
- Die Unterscheidung zwischen formalem und wirksamem Widerspruch sowie zwischen öffnenden und immunisierenden Zugeständnissen.
- Der obligatorische Abschnitt 7.b, der verhindert, dass das Protokoll als Maschine zum Verurteilen funktioniert.
- Schritt 8, der der kritischen Tradition weitgehend fehlt.

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### Lizenz

Dieses Protokoll ist unter der Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) lizenziert. Sie sind frei, es zu vervielfältigen, zu verändern und weiterzugeben, auch für kommerzielle Zwecke, unter der Bedingung, den ursprünglichen Autor zu nennen und jede veränderte Version unter derselben Lizenz zu teilen.

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### Anhang 1: ARGUS Light-Protokoll (Kurzversion)

1. Relevanz testen (ist der Text argumentativ?)
2. Gattung und Lektürevertrag klassifizieren
3. Beweismaßstab erklären
4. Eröffnungsrahmen analysieren (Voraussetzungen, Umfang, Autorität)
5. These neutral rekonstruieren
6. Epistemische Symmetrie prüfen (Punkt H)
7. Strategische Absicht erschließen (3 Ebenen)
8. Angekündigtes Programm mit Inhalt konfrontieren
9. Fazit unter Unterscheidung von Qualitäten, Mängeln mit Schweregrad und Asymmetrien
10. Die Tests A (Größenordnung) und G (Reproduzierbarkeit der Zählung) aus Anhang 4 nur auf die die These tragenden Zahlen anwenden
11. (Obligatorisch, Kurzversion) Kohärenzkontrolle der Analyse, danach Selbstkritik

Die erweiterten Schritte 0.d, 0.e, 0.f, 3.I, 3.J, 3.K, 7.c sowie die Anhänge 2 und 3 sind in der Light-Version nicht enthalten. Aus Anhang 4 sind nur die Tests A und G enthalten; die Tests B bis F sind ausgeschlossen. Die Klausel „Bei unzureichenden Elementen" aus Schritt 7 gilt in der Kurzversion wie in der vollständigen Version.

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### Anhang 2: Analyse leerer Signifikanten (erweiterte Option)

**0. Aktivierungsbedingung**

Dieser Anhang wird entweder auf Wunsch des Nutzers aktiviert oder wenn der Kontrollpunkt am Ende von Schritt 2 positiv ausfällt: Ein entscheidender Begriff der zentralen These erhält vom Text weder Definition noch Anwendungskriterium noch Aufzählung, und die Schlussfolgerung ändert sich je nachdem, wo die Grenze dieses Begriffs gezogen wird. Die Entscheidung, den Anhang nicht zu aktivieren, muss in der Analyse begründet werden.

**1. Operative Definition**

Ein **leerer Signifikant** (*empty signifier*) ist ein Begriff, dessen rhetorische und politische Macht nicht von einem präzisen semantischen Inhalt herrührt, sondern im Gegenteil von seiner Abwesenheit stabilen Inhalts. Diese Leere erlaubt es, heterogene, sogar widersprüchliche Interpretationen auf ihn zu projizieren.

In der argumentativen Analyse interessieren wir uns für **strategische** leere Signifikanten: jene, die der Autor absichtlich als Unschärfe verwendet, um:

- ein Publikum mit unterschiedlichen Interessen zu vereinen,
- eine zu schnelle Falsifizierbarkeit zu vermeiden,
- einen Evidenz- oder Dringlichkeitseffekt zu erzeugen, ohne ihn rechtfertigen zu müssen,
- den Gegner durch Assoziation mit einem vagen, aber aufgeladenen Begriff zu disqualifizieren.

> **Nicht verwechseln**: Ein leerer Signifikant ist keine einfache sprachliche Ungenauigkeit. Er ist ein **argumentatives Werkzeug**, dessen Unschärfe funktional ist.

**2. Textuelle Indizien für das Vorhandensein eines strategischen leeren Signifikanten**

- **Der Begriff wird nie definiert** oder seine sukzessiven Definitionen sind unvereinbar. Generisches Beispiel: „Gerechtigkeit", „das Volk", „wirkliche Demokratie".
- **Der Begriff dient dazu, heterogene Forderungen zu sammeln**, ohne sie zu spezifizieren. Generisches Beispiel: „Wir wollen den Wandel".
- **Der Autor stellt zwei leere Signifikanten gegenüber**, um eine moralische Grenze zu schaffen („Wir" vs. „Sie"). Generisches Beispiel: „Gemeinwohl" vs. „Privilegien".
- **Der Begriff hat eine starke emotionale Ladung**, aber einen geringen Informationsgehalt. Generisches Beispiel: „Skandal", „Katastrophe", „absolute Dringlichkeit".
- **Die Argumentation stützt sich auf die Beschwörung dieses Begriffs**, ohne ihn jemals beweisen zu müssen. Generisches Beispiel: „Der historische Moment", „das Fenster", „der notwendige Aufschwung".

**3. Analyseraster für einen leeren Signifikanten**

Für jeden verdächtigen Begriff systematisch anwenden:

- **Ortung**: Wo erscheint er? An welchen strategischen Momenten (Eröffnung, Schluss, Übergang)?
- **Status**:
  - **Leer**: Fehlen einer Definition, austauschbare Verwendung.
  - **Voll**: Definiert, stabil, nicht ohne Bedeutungsverlust ersetzbar.
  - **Gemischt**: An manchen Stellen leer, an anderen voll (potenzielle Spannung).
- **Funktion im Argument**:
  - Vereinigen (verschiedene Gruppen zusammenbringen)
  - Widerlegung vermeiden (die These nicht falsifizierbar machen)
  - Legitimität ohne Beweis suggerieren
  - Einen Dringlichkeitseffekt erzeugen
  - Den Autor von einem Gegner unterscheiden (durch Ablehnung eines konkurrierenden leeren Signifikanten)
- **Abstand zu einer eventuellen vollen Verwendung**: Wenn derselbe Begriff anderswo (vom Autor oder im diskursiven Feld) als voller Signifikant verwendet wird, ist der Unterschied gerechtfertigt? Signalisiert er einen Widerspruch?
- **Auswirkung auf die argumentative Stichhaltigkeit**:
  - **Gering**: Die Leere ist anekdotisch, die These hält ohne ihn.
  - **Mittel**: Die These hängt teilweise von dieser Unschärfe ab (z.B. vage Vorhersage).
  - **Hoch**: Ohne den leeren Signifikanten bricht das Argument zusammen (z.B. „Dringlichkeit" ohne Beweis).

**4. Verbindung zu den Schritten des ARGUS-Protokolls**

- **Schritt 1 – Eröffnungsrahmen**: Oft setzt die Eröffnung einen oder mehrere leere Signifikanten („Krise", „Dringlichkeit", „Wir"), die den gesamten Text rahmen.
- **Schritt 3.C – Symbolisch aufgeladene Begriffe**: Unterscheidet aufgeladene, aber volle Begriffe (z.B. „schlagen") von aufgeladenen und leeren Begriffen (z.B. „Gerechtigkeit"). Erlaubt eine Verfeinerung der Kritik.
- **Schritt 3.E – Gegenargumente und Auslassungen**: Ein leerer Signifikant kann Auslassungen maskieren: Die Unschärfe erlaubt es, nicht zwischen widersprüchlichen Lösungen wählen zu müssen.
- **Schritt 3.F – Falsifizierbarkeit**: Ein leerer Signifikant macht die These schwer falsifizierbar, da der fehlende Inhalt nachträglich umdefiniert werden kann.
- **Schritt 3.H – Epistemische Symmetrie**: Verwendet ein Text, der leere Signifikanten nutzt, um einen Gegner zu disqualifizieren, selbst leere Signifikanten, um sich zu legitimieren?
- **Schritt 4 – Strategische Absicht**: Der Gebrauch leerer Signifikanten ist oft ein starkes Indiz für eine Mobilisierungs- statt einer Beweisabsicht.
- **Schritt 7 – Differenziertes Fazit**: Erwähnen, ob die zentrale These auf einem oder mehreren nicht gerechtfertigten leeren Signifikanten beruht.

**5. Kommentiertes generisches Beispiel**

Nehmen wir einen fiktiven Text, der behauptet: „Es ist dringend, angesichts der **Krise** zu handeln, die unser **Volk** bedroht. Das **Fenster** ist eng, aber wir werden es nutzen."

- **Begriff „Krise"**: undefiniert (wirtschaftlich? politisch? moralisch?). Austauschbare Verwendung mit „Gefahr", „Notlage". Status: **leer**. Funktion: Einen Dringlichkeitseffekt ohne Beweis erzeugen.
- **Begriff „Volk"**: undefiniert (national? lokal? die Unterdrückten? alle Bürger?). Status: **leer**. Funktion: Heterogene Forderungen um ein vages „Wir" vereinen.
- **Begriff „Fenster"**: kein zeitlicher oder verfahrenstechnischer Inhalt. Status: **leer**. Auswirkung: **hoch** – wenn man diese drei leeren Signifikanten entfernt, bleibt nur eine Aufforderung ohne Rechtfertigung.

**Fazit der Analyse**: Der Text beruht auf einer Kette leerer Signifikanten; seine argumentative Stichhaltigkeit ist schwach.

**6. Nutzungsempfehlung**

Dieser Anhang ist **optional**. Er richtet sich an Analytiker, die die Erkennung von Strategien begrifflicher Unschärfe verfeinern möchten, insbesondere in politischen, programmatischen oder aktivistischen Texten. Seine Aktivierung setzt voraus:

- dass der analysierte Text Begriffe mit starker symbolischer Ladung, aber geringer Definition enthält,
- dass die Hypothese eines strategischen Gebrauchs der Leere plausibel ist (textuelle Indizien),
- dass der Analytiker die Zeit hat, dieses Raster mit den anderen Schritten zu kreuzen.

Für eine schnelle Analyse (ARGUS Light) diesen Anhang ignorieren.

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### Anhang 3: ARGUS-Corpus-Protokoll (Analyse mehrerer zusammenhängender Texte)

**Präambel**

Das ARGUS-Protokoll ist in seiner jetzigen Form für die Analyse eines einzelnen Textes konzipiert. Zahlreiche reale Anwendungen – Presse-Dossiers, Artikelserien zu einem Thema, von Dritten zusammengestellte Korpora für Synthesen oder abgeleitete Artikel – beinhalten jedoch die Analyse mehrerer zusammenhängender Texte mit einer zusätzlichen Anforderung: die Konsistenz der Urteile von Text zu Text und die Möglichkeit, eine Synthese aus dem Korpus zu ziehen, ohne dass diese Synthese betrügerisch an die Stelle einer Schlussfolgerung tritt, die die einzelnen Texte nicht erlauben.

Dieser Anhang wird **ergänzend** zum Basisprotokoll angewendet, das Text für Text angewandt wird, und nicht an dessen Stelle.

#### C.1 — Korpusdeklaration (vorab, vor der Analyse des ersten Textes)

Vor der individuellen Analyse der Texte des Korpus muss der Analytiker antworten:

1. **Herkunft des Korpus**: Wer hat diese Texte zusammengestellt und nach welchem Kriterium (gleiches Medium, gleiches Thema, gleicher Zeitraum, Auswahl durch Dritte für eine bestehende These)?
2. **Vorhersehbare Homogenität der Quellen**: Stammen die Texte aus demselben Medium, derselben redaktionellen Linie oder aus unterschiedlichen Ökosystemen? Diese Homogenität muss, falls vorhanden, vor der Einzelanalyse deklariert werden, da sie konstruktionsbedingt den Test 3.I jedes einzeln genommenen Textes beeinflusst (eine Zirkularität auf Korpusehene kann die innerhalb jedes Textes gemessene Zirkularität künstlich senken, wenn sich dieselben Quellen von Artikel zu Artikel überschneiden).
3. **Risiko der Zirkularität zweiter Ordnung**: Wenn aus diesem Korpus eine Synthese gezogen werden soll, muss der Analytiker ausdrücklich vermerken, dass diese Synthese die Grenzen der Repräsentativität der Ausgangsauswahl erbt (vgl. C.4).

#### C.2 — Anwendung des Basisprotokolls mit präzisierter Bearbeitungsreihenfolge

Jeder Text wird nach dem Basisprotokoll (Schritte 0 bis 8) in der Reihenfolge seines Erscheinens analysiert. Jedoch:

- Der Analytiker muss am Ende jeder Einzelanalyse eine kurze Zusammenfassung der in 7.a (Schweregrad) und 7.c (Propagandagrad) zugewiesenen Stufen notieren, um in C.3 ein Vergleichsraster zu erstellen.
- Wenn die Analysereihenfolge nicht neutral ist (z. B. wird das Korpus in einer von Dritten gewählten chronologischen oder thematischen Reihenfolge geliefert), muss der Analytiker dies als potenziellen Ankerfaktor kennzeichnen (vgl. C.3).

#### C.3 — Textübergreifende Konsistenzprüfung (obligatorisch nach dem letzten Text)

Nachdem alle Texte des Korpus einzeln analysiert wurden, muss der Analytiker eine explizite Konsistenzprüfung erstellen, die folgende Fragen beantwortet:

1. **Vergleichende Zusammenfassung der zugewiesenen Stufen** (in Listenform, gemäß Regel 15): Für jeden Text die in 7.a zugewiesene maximale Schweregradstufe und die in 7.c zugewiesene Propagandastufe nennen.
2. **Test auf Ankerdrift**: Haben die später in der Sequenz analysierten Texte systematisch strengere oder günstigere Stufen erhalten als die ersten, ohne textspezifische interne Rechtfertigung? Wird eine Abweichung ohne klare Rechtfertigung beobachtet, muss sie als Risiko eines Serien-Bias gekennzeichnet und nicht stillschweigend beibehalten werden.
3. **Test auf Kriteriensymmetrie**: Hat dieselbe Art von Mangel (z. B. eine nicht bezifferte Verallgemeinerung oder das Fehlen der Stimme der direkt vom Thema betroffenen Personen) jedes Mal, wenn sie im Korpus auftrat, einen vergleichbaren Schweregrad erhalten? Wird derselbe Mangel in einem Text als „geringfügig" und in einem anderen als „schwerwiegend" eingestuft, ohne dass ein Kontextunterschied die Abweichung rechtfertigt, muss dies korrigiert oder ausdrücklich gerechtfertigt werden.
4. **Blindwiederholungsempfehlung** (optional, für Korpora mit mehr als drei Texten): Wenn es die Strenge der Konsistenzprüfung erfordert, kann der Analytiker vorschlagen, die Analyse des ersten Textes des Korpus zu wiederholen, nachdem alle anderen gesehen wurden, um zu überprüfen, ob das ursprüngliche Urteil stabil bleibt, sobald der gesamte Korpuskontext bekannt ist.

#### C.4 — Test auf Zirkularität zweiter Ordnung (obligatorisch vor jeder thematischen Synthese)

Wenn aus dem Korpus eine Synthese oder eine übergreifende Diagnose gezogen werden soll (z. B.: „was diese Texte zusammengenommen über ein breiteres Phänomen verraten"), muss der Analytiker vor der Abfassung dieser Synthese ausdrücklich antworten:

1. **Ist das Korpus repräsentativ für das Phänomen, das man ihm zuschreibt, oder nur für einen bestimmten redaktionellen Standpunkt zu diesem Phänomen?** (Hier die in C.1 gemachte Deklaration aufgreifen.)
2. **Würde ein alternatives Korpus, das nach einem anderen Kriterium oder einer anderen redaktionellen Linie zusammengestellt wurde, eine substanziell andere Synthese aus vergleichbaren Fakten ermöglichen?** Wenn ja, muss dies als Grenze der vorgeschlagenen Synthese gekennzeichnet werden, nicht nur als stilistische Nuance.
3. **Zieht die Synthese eine Schlussfolgerung, die jeder einzelne Text nicht erlaubt, die aber ihre Kombination auf logisch gültige Weise ermöglichen würde (legitime Aggregation), oder fügt die Synthese einen externen interpretativen Rahmen hinzu, der nicht allein aus der Kombination der Texte ableitbar ist (eigener Beitrag des Analytikers oder des Autors der Synthese)?** Diese Unterscheidung muss in der endgültigen Abfassung sichtbar gemacht werden – durch eine strukturelle Trennung (getrennte Teile) und nicht durch bloße lexikalische Nuancen innerhalb derselben Entwicklung.

#### C.5 — Restitutionsregister: legitime Aggregation von interpretativem Beitrag unterscheiden

Jede aus einem Multi-Text-Korpus gezogene Synthese muss in ihrer Struktur selbst (und nicht nur in ihrem Stil) ausdrücklich zwei Register unterscheiden:

- **Was das Korpus durch legitime Aggregation feststellt**: Fakten oder Tendenzen, die mehrere Texte des Korpus jeweils einzeln dokumentieren und deren Kombination keine korpusexterne Information erfordert, um behauptet zu werden.
- **Was der Analytiker oder der Autor der Synthese von außerhalb des Korpus hinzufügt**: jede Interpretation, jeder breitere kausale oder politische Rahmen, jede Verallgemeinerung auf einer Skala, die das Korpus allein nicht abdeckt. Dieses zweite Register muss durch eine klare enunciative Bruchformel eingeführt werden („Ich glaube, dass…", „Mir scheint, dass…", Abschnittswechsel) und nicht mit derselben Stimme wie das erste Register verschmolzen werden.

#### C.6 — Ergänzender Zuverlässigkeitshinweis für Korpusanalysen

Zum Standard-Zuverlässigkeitshinweis (Ende des Basisprotokolls) bei jeder Korpusanalyse hinzufügen:

> Diese Analyse betrifft ein Korpus von [N] Texten, die nach folgendem Kriterium zusammengestellt wurden: [Erinnerung an C.1]. Der Leser wird gebeten, sich vor Augen zu halten, dass jede übergreifende Synthese die Grenzen der Repräsentativität dieser Auswahl erbt und dass ein anders konstruiertes Korpus aus vergleichbaren Fakten zu einer anderen Synthese führen könnte.

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### Anhang 4: Arithmetische und statistische Kontrolle (erweiterte Option)

**1. Grund für diesen Anhang**

Das Basisprotokoll prüft die Herkunft einer Zahl: wer sie äußert, mit welcher Qualifikation, innerhalb welches Quellenökosystems. Es prüft nicht ihre Möglichkeit. Eine Zahl kann korrekt einer identifizierbaren Quelle zugeschrieben, unverfälscht wiedergegeben, frei von jeder Behandlungsasymmetrie und dennoch unmöglich sein.

Nehmen wir folgende Behauptung: „In diesem Land sterben seit zehn Jahren jede Stunde 2 000 Kinder." Einem namentlich genannten Wissenschaftler zugeschrieben, genügt sie der Quellenprüfung (0.d), entgeht dem Zirkularitätstest (3.I) und weist keine Behandlungsasymmetrie auf (3.J). Multipliziert mit 24 und dann mit 365 ergibt sie 17,52 Millionen Tote pro Jahr, in einem Land mit 20 Millionen Einwohnern. Kein Schritt von 0 bis 8 verlangt diese Multiplikation.

Dieser Anhang liefert die fehlende Multiplikation.

**2. Aktivierungsbedingungen**

Aktiviere diesen Anhang, wenn der Text mindestens eines der folgenden Elemente enthält:

- eine Zahl, eine Rate, einen Anteil oder eine Projektion, von der die These abhängt;
- einen quantitativen Vergleich zwischen zwei Mengen;
- eine Zählung zu einem Korpus, einer Medienberichterstattung oder einer Dokumentenbasis;
- eine Behauptung über Erkennung, Screening, Zuordnung oder Profilbildung;
- einen Mittelwert, der als Kennzeichnung einer Population dargestellt wird.

Enthält der Text kein tragendes Zahlenelement, aktiviere den Anhang nicht und sage es ausdrücklich, gemäß Regel 18.

**3. Umfang und vorherige Erklärung**

Die Kontrolle betrifft nur die Zahlen, von denen die These abhängt, gemäß dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Eine ungenaue Illustrationszahl ist ein geringfügiger Mangel, der in einer Zeile zu vermerken ist. Eine ungenaue tragende Zahl kann ausschlaggebend sein.

Vor jeder Kontrolle muss der Analytiker die Liste der von ihm als tragend eingestuften Zahlen erklären und begründen, warum jede es ist. Diese Erklärung geht der Berechnung voraus und verhindert, nachträglich nur jene Zahlen auszuwählen, die scheitern.

**4. Die sieben Tests**

- **A. Größenordnung.** Die angegebene Rate auf den gesamten Zeitraum hochrechnen und das Ergebnis anschließend auf die Bezugspopulation oder Bezugsmenge beziehen. Die drei am häufigsten scheiternden Formen sind die auf Jahre angewandte Stunden- oder Tagesrate, die periodische Verdopplung und das anhaltende exponentielle Wachstum. Ein Ergebnis, das die Bezugsmenge übersteigt, belegt die Unmöglichkeit der Zahl, unabhängig von ihrer Quelle.
- **B. Nenner.** Ist der Nenner angegeben? Ist es der richtige? Ein Prozentsatz ohne Nenner ist keine Angabe. Ein Prozentsatz, dessen Nenner im Verlauf des Textes wechselt, ist eine Äquivokation.
- **C. Maß der zentralen Tendenz.** Handelt es sich um einen Mittelwert, einen Median oder einen Modus? Präzisiert der Text das? Welches der drei würde die Schlussfolgerung ändern? Ein Unternehmen mit dreiundzwanzig Gehältern kann gleichzeitig einen Mittelwert von 6 000, einen Median von 4 000 und einen Modus von 2 000 aufweisen, ohne dass eine der drei Zahlen falsch wäre.
- **D. Basisrate.** Ist bei jeder Behauptung über Erkennung, Screening, Zuordnung oder Profilbildung die Prävalenz in der Population angegeben? Ohne sie sagt eine Erkennungsrate von 99 % nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, dass eine bezeichnete Person tatsächlich betroffen ist. Das Weglassen der Prävalenz ist der häufigste und schwerwiegendste quantitative Mangel in Texten über Sicherheit, Gesundheit und Betrug.
- **E. Messung, Schätzung, Modell, Projektion.** Ist die Zahl gemessen, aus einer Stichprobe geschätzt, von einem Modell erzeugt oder in die Zukunft projiziert? Unterscheidet der Text das? Eine modellierte Zahl, die als Messung dargestellt wird, ist eine nicht untermauerte Behauptung, auch wenn das Modell gut ist.
- **F. Angezeigte Genauigkeit.** Übersteigt die Zahl der signifikanten Stellen das, was die Methode tragen kann? Eine Projektion auf die Million genau bei einem Zehnjahresmodell ist Scheingenauigkeit, und Scheingenauigkeit wirkt als Seriositätsmarker im Sinne von 3.K.
- **G. Reproduzierbarkeit der Zählung.** Sind bei jeder quantitativen Behauptung zu einem Korpus, einer Medienberichterstattung oder einer Dokumentenbasis die abgefragte Datenbank, die verwendete Suchanfrage und die Zähleinheit angegeben? Fehlt eines der drei, ist die Zählung nicht reproduzierbar und belegt nichts Überprüfbares, wie plausibel das Ergebnis auch sein mag.

**5. Eigenes Verbot dieses Anhangs**

Der Analytiker setzt nicht sein eigenes Modell an die Stelle des Modells des Autors, um eine Berechnung zu korrigieren. Er wiederholt die Berechnung des Autors mit den Daten des Autors.

Erlauben die vom Text gelieferten Daten nicht, das angegebene Ergebnis nachzuvollziehen, lautet die festzuhaltende Feststellung „Ergebnis aus den gelieferten Daten nicht rekonstruierbar". Das ist ein Mangel des Textes und keine Aufforderung, anders zu rechnen. Mit anderen Annahmen als denen des Autors zu rechnen, ergäbe eine Widerlegung durch den Analytiker und keine Prüfung des Textes. Diese Lage fällt unter die Klausel „Bei unzureichenden Elementen" aus Schritt 7, mit Ausnahme von Test A, der niemals als nicht ausfüllbar erklärt werden kann.

**6. Wiedergabe**

Die Feststellungen dieses Anhangs werden in 3.B wiedergegeben, in einem Unterabschnitt mit der Überschrift „Arithmetische und statistische Kontrolle (Anhang 4)", und in 7.a nach dem Substitutionstest des Basisprotokolls gewichtet, mit zwei eigenen Regeln:

- eine tragende Zahl, deren Unmöglichkeit durch Test A belegt ist, ist **ausschlaggebend** für die These, die sie stützt;
- eine im Sinne von Test G nicht reproduzierbare Zählung ist **ausschlaggebend** allein für die empirische Teilthese, die sie stützt, und die allgemeine These ist dann von einer Beweisführung zu einer berichteten Behauptung umzuqualifizieren.

Die als exakt geprüften Berechnungen sind in 7.b aufzuführen, jeweils begleitet von dem durch den Analytiker nachgerechneten Wert. Die arithmetische Kontrolle ist kein Belastungsinstrument: Eine richtige Berechnung nachzurechnen und dies zu sagen, gehört zur Arbeit.

**7. Empfehlung für ARGUS Light**

Anders als bei den Anhängen 2 und 3 sind zwei der sieben Tests von vernachlässigbarem Aufwand und hohem Ertrag, Test A und Test G. Sie sind in ARGUS Light enthalten. Die Tests B bis F, die eine längere Prüfung erfordern, sind ausgeschlossen.
